„40 Jahre Desinformation“: Ex-Geheimdienstoffizier Baud mit ungewöhnlicher Iran-Analyse

„40 Jahre Desinformation“: Ex-Geheimdienstoffizier Baud mit ungewöhnlicher Iran-Analyse

Der Schweizer Ex-Nachrichtendienstoffizier und Militäranalyst Jacques Baud äußert sich in einem aktuellen Interview zu den Hintergründen des Iran-Kriegs – mit Thesen, die von den offiziellen Positionen westlicher Regierungen stark abweichen.

Wer ist Jacques Baud?

Wie das Schweizer Nachrichtenmagazin Zeitgeschehen im Fokus (zgif.ch) in einem ausführlichen Interview festhält, war Jacques Baud Oberst der Schweizer Armee und arbeitete für den Schweizerischen Strategischen Nachrichtendienst. Er absolvierte ein Nachdiplomstudium in internationaler Sicherheit am Hochschulinstitut für internationale Beziehungen in Genf, war Berater für Flüchtlingslager in Ost-Zaire und arbeitete unter anderem für die NATO in der Ukraine. Er ist Autor mehrerer Bücher zu Nachrichtendiensten, asymmetrischer Kriegsführung und Terrorismus.

Atomprogramm: Bauds These zur Geheimdienstlage

Wie Baud gegenüber Zeitgeschehen im Fokus ausführt, habe der Iran sein Atomwaffenprogramm bereits 2003 eingestellt, nachdem das Regime zu dem Schluss gekommen sei, der Nutzen einer Atombombe sei kleiner als die damit verbundenen Probleme. Laut Baud habe eine CIA-Einschätzung von 2007 dies bestätigt, und amerikanische Geheimdienste hätten 2024 und 2025 erneut erklärt, der Iran habe seit 2003 kein neues Atomwaffenprogramm gestartet. Auch ein geleakter Mossad-Bericht soll demnach in dieselbe Richtung gewiesen haben. Westliche Regierungen stufen den Iran offiziell weiterhin als nukleares Sicherheitsrisiko ein – Baud bezeichnet diese Darstellung als Obsession, die mit der nachrichtendienstlichen Realität nicht übereinstimme. Diese Einschätzung ist eine persönliche Analyse Bauds und wird von den USA, Israel und der EU nicht geteilt.

Israels Iran-Feindschaft: Historische Konstruktion?

Wie Baud in dem Interview darlegt, habe Israel den Iran erst nach dem Irakkrieg 2003 zum Hauptgegner erklärt – zuvor habe man Teheran als strategischen Verbündeten im Rücken der sunnitischen Nachbarn betrachtet. Bis dahin habe es zwischen Iran und Israel weder territoriale Ansprüche noch wirtschaftliche Rivalitäten gegeben. Seither werde die nukleare Bedrohung instrumentalisiert, obwohl es nach Bauds Einschätzung keinen objektiven Konflikt zwischen den beiden Staaten gebe.

Iranische Proteste: Baud sieht ausländische Steuerung

Zu den Unruhen im Iran erklärt Baud laut Zeitgeschehen im Fokus, die Proteste vom Januar seien seiner Einschätzung nach vollständig von den USA gesteuert worden – durch Unterstützung oppositioneller Gruppen, Währungsmanipulation, eingeschmuggelte Starlink-Empfänger zur Koordination und wirtschaftlichen Druck. Auch die in westlichen Medien genannten Opferzahlen hält er für überhöht. Diese Beurteilungen Bauds sind nicht unabhängig verifiziert und widersprechen den Darstellungen westlicher Regierungen.

Militärische Lageeinschätzung

Wie Baud gegenüber Zeitgeschehen im Fokus weiter ausführt, funktioniere die iranische Verteidigung auf Basis einer dezentralen Mosaikstruktur, in der jede Einheit weitgehend autonom operiere. Ein Kollaps der Zentralstruktur würde die Gesamtverteidigung daher nicht entscheidend schwächen. Baud hält zudem die Annahme für falsch, die Bevölkerung würde sich nach Beginn der Angriffe rasch gegen die Führung wenden – nach seinen Beobachtungen habe sich das Gegenteil gezeigt.

Einordnung

Die Aussagen Bauds sind die Positionen eines einzelnen Experten und entsprechen nicht den Einschätzungen westlicher Regierungen oder Geheimdienste, die den Iran weiterhin als sicherheitspolitische Bedrohung einstufen. Sie sind dennoch Teil einer breiteren Debatte über die tatsächlichen strategischen Motive im aktuellen Konflikt.


Quellen:

  • Zeitgeschehen im Fokus (zgif.ch), Interview mit Jacques Baud, 17. März 2026
  • Weltwoche (weltwoche.de), 21. März 2026

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