Im ersten Quartal 2026 mussten knapp 1.900 Menschen Österreich zwangsweise verlassen – mehr als neue Asylanträge eingereicht wurden. Innenminister Karner spricht von einem Erfolg. Die Zahlen zeigen aber auch ein differenziertes Bild.
Fast 1.900 Zwangsausreisen in drei Monaten
Im ersten Quartal 2026 wurden laut der aktuellen Fremdenstatistik des Innenministeriums exakt 1.882 Personen zwangsweise außer Landes gebracht. Wie oe24 berichtete, entfallen davon 1.658 auf klassische Abschiebungen, der Rest auf sogenannte Dublin-Überstellungen – also Fälle, bei denen ein anderer EU-Staat als zuständig für das Asylverfahren gilt.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) zieht eine positive Bilanz: „Pro Tag müssen 40 illegal Aufhältige Österreich verlassen. Das bedeutet mehr Abschiebungen als neue Asylanträge im ersten Quartal.“ Tatsächlich wurden laut oe24 in den ersten drei Monaten nur 1.074 originäre Asylansuchen eingereicht – weniger als ein Drittel jener 3.575 Personen, die das Land zwangsweise oder freiwillig verlassen haben.
Freiwillige Ausreisen mit nationalen Unterschieden
Neben den Zwangsausreisen gab es laut oe24 1.693 freiwillige Ausreisen, davon mehr als die Hälfte mit staatlicher Unterstützung. Auffällig ist die nationale Verteilung: Von 529 ausgereisten Slowaken waren gerade einmal 30 freiwillig, bei 322 Ungarn nur 23. Bei Syrern hingegen verließen 268 Personen freiwillig das Land, nur 11 mussten zwangsweise ausreisen.
Dublin-Verfahren: Mehr Überstellungen als Übernahmen
Bei den Dublin-Verfahren zeigt sich laut oe24 eine klare Tendenz: In 423 Fällen stimmten andere EU-Länder zu, Personen aus Österreich zu übernehmen – zu tatsächlichen Überstellungen kam es in 224 Fällen. Umgekehrt erklärte sich Österreich in 425 Fällen für zuständig, tatsächlich ins Land kamen auf diesem Weg aber nur 119 Personen. Österreich überstellte also deutlich mehr, als es aufnahm.
Syrer und Russen bei Aberkennungen vorn
Besonders brisant ist die Zahl der laufenden Aberkennungsverfahren. Wie oe24 berichtete, wurden im ersten Quartal 3.061 solcher Verfahren eingeleitet. In 1.971 Fällen betrafen sie syrische Staatsbürger – die mit Abstand größte Gruppe. In 502 Fällen wurde syrischen Staatsbürgern Asyl oder subsidiärer Schutz tatsächlich aberkannt, gefolgt von Russen mit 359 Fällen. Gleichzeitig wurden in 272 Fällen positive Prognosen für Familiennachzug erstellt, auch hier stellen Syrer die größte Gruppe.
Temporärer Schutz überwiegend für Ukrainer
Der temporäre Schutzstatus – also ein befristeter Aufenthaltstitel ohne reguläres Asylverfahren – wurde im ersten Quartal 3.223 Mal vergeben, überwiegend an Vertriebene aus der Ukraine. Darunter waren 742 Minderjährige. Zudem wurden im ersten Quartal 48 Untersuchungen zur Überprüfung der angegebenen Minderjährigkeit eingeleitet – in 72 Prozent der Fälle bestätigte sich laut oe24 der Verdacht, dass es sich tatsächlich um Volljährige handelte.
Credits: APA
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