Weil Russland erstmals seit 2019 wieder an der Biennale von Venedig teilnimmt, zieht die EU-Kommission die Finanzierung zurück. Zwei Millionen Euro stehen auf dem Spiel – und die Frage, ob Kunstfreiheit ein Kollateralschaden der Außenpolitik sein darf.
Kallas kündigt Finanzierungsstopp an
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat die Konsequenz klar formuliert. Wie die Weltwoche unter Berufung auf einen EU-Kommissionssprecher berichtete, erklärte Kallas: „Russlands Rückkehr zur Biennale von Venedig ist moralisch falsch, und die EU beabsichtigt, ihre Finanzierung zu kürzen.“ Die Stiftung der Biennale hat nun 30 Tage Zeit, ihre Entscheidung zu verteidigen. Auf dem Spiel steht ein EU-Zuschuss von zwei Millionen Euro.
Hintergrund: Russland kehrt nach vier Jahren zurück
Die 61. Ausgabe der Biennale di Venezia öffnet am 9. Mai ihre Tore – und der russische Pavillon in den Giardini wird nach langer Pause wieder bespielt. Wie der Spiegel berichtete, wäre es der erste offizielle russische Auftritt auf der renommierten Kunstschau seit dem Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022. 2022 zogen die ursprünglich geplanten Künstler aus Protest zurück, 2024 wurde der Pavillon Bolivien überlassen. Zuletzt regulär vertreten war Russland 2019. Insgesamt nehmen an der diesjährigen Ausgabe 99 Staaten mit nationalen Pavillons teil.
Biennale-Leitung pocht auf Kunstfreiheit
Die Führung der Biennale di Venezia weist den Druck aus Brüssel klar zurück. In einer Stellungnahme betonte sie laut Weltwoche, man sei „nicht befugt, ein Land von der Teilnahme auszuschließen“. Die Biennale verstehe sich als Ort des Dialogs und der künstlerischen Freiheit. Ein praktisches Argument kommt hinzu: Russland ist Eigentümer seines Pavillons in den Giardini. Jedes von Italien anerkannte Land könne dort teilnehmen – und Russland ist nach wie vor völkerrechtlich anerkannt.
Kulturpolitik als Verlängerung der Sanktionspolitik
Der Vorgang wirft eine grundlegende Frage auf: Darf die EU die Teilnahme eines Landes an einer internationalen Kunstveranstaltung zum Hebel ihrer Außenpolitik machen? Die Kommission argumentiert, während Russland ukrainische Kultur zerstöre, solle es sich nicht gleichzeitig auf einer internationalen Plattform präsentieren. Kritiker sehen darin eine Verengung des Kulturbegriffs auf reines Politikinstrument – und eine Bestrafung der Biennale für eine Entscheidung, die ihr gar nicht zusteht.
Credits: APA
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