Mitten in der Hitzewelle hat Grünen-Chefin Leonore Gewessler ein Instagram-Video veröffentlicht, das mit einem Warnton startet und mit einem Vorwurf endet: Die Regierung betreibe „Realitätsverweigerung“ beim Klimaschutz.
Das Video und seine Botschaft
Wie exxpress berichtet, beginnt Gewesslers Video mit einem alarmierenden Signal – der Einstieg erinnert bewusst an eine Behördenwarnung. Dann zählt die Grünen-Chefin auf: Unterricht in Kellerräumen wegen überhitzter Klassenzimmer, Hunde in Gefahr wegen heißem Asphalt, Waldbrände, Wasserknappheit. „Das ist keine Ideologie, sondern Realität in Österreich 2026“, sagt sie.
Das eigentliche Ziel des Videos folgt danach: „Im Budget wird am allermeisten wo gekürzt? Beim Klimaschutz. Da rennen wir in die falsche Richtung“, so Gewessler laut exxpress. Die Regierung betreibe „Realitätsverweigerung“.
Was an der Kritik stimmt – und was sie verschweigt
Gewesslers Kernvorwurf ist faktisch belegbar. Laut dem Doppelbudget 2027/2028, über das VOL.AT/APA und check-list.at ausführlich berichten, sinken die Ausgaben für den Bereich Umwelt, Klima und Kreislaufwirtschaft 2027 um 405 Millionen Euro. Der größte Einschnitt trifft die Sanierungsoffensive und das Programm „Sauber Heizen für Alle“: Die Förderung für Heizungstausch wird laut news.at/APA um 339 Millionen Euro auf 345 Millionen Euro halbiert. Auch die Geräte-Retter-Prämie fällt weg.
Was Gewesslers Video dabei nicht erwähnt: Laut einer Analyse von kontrast.at sind rund 90 Prozent des nominellen Rückgangs auf das Auslaufen bereits zugesagter Förderungen aus Vorjahren zurückzuführen – also buchhalterischer Natur, nicht vollständig neue Kürzungsentscheidungen. Gleichzeitig investiert die Regierung laut Budgetentwurf zwischen 2027 und 2032 rund 19,5 Milliarden Euro in den Bahnausbau. Wifo-Klimaforscher Daniel Huppmann gab der Regierung in einem derStandard-Podcast beim Klimaschutz dennoch die Note 3+ – mit dem Hinweis, dass langfristige Kosten durch verpasste Klimaziele und EU-Strafzahlungen drohen.
Der politische Kontext
Gewesslers Video ist kein zufälliger Auftritt. Die Grünen positionieren sich seit ihrer Oppositionsrolle zunehmend als schärfste Klimaschutz-Stimme des Landes – und nutzen Hitzeereignisse konsequent als politische Bühne. Dass exxpress den Auftritt als „skurril“ bezeichnet, ist seinerseits eine politische Wertung: Was aus grüner Sicht Klimakommunikation ist, ist aus der exxpress-Perspektive Instrumentalisierung einer Naturkatastrophe.
Credits: Parlamentsdirektion / Katie-Aileen Dempsey
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