Der Streit zwischen dem Aktivisten-Ehepaar Bohrn Mena und Falter-Chefredakteur Florian Klenk erreicht eine neue Stufe der Absurdität: Eine Facebook-Nachricht soll nun Körperverletzung an Mutter und ungeborenem Kind darstellen.
Die Anzeige und ihr Hintergrund
Bohrn-Menas Anwalt Robert Kerschbaumer hat Falter-Chefredakteur Florian Klenk wegen vorsätzlicher Körperverletzung angezeigt – die Geschädigte ist Veronika Bohrn Mena, Sebastian Bohrn Menas Frau, die zuletzt hochschwanger war, wie oe24 berichtet. Als Zeuge ist Sebastian Bohrn Mena selbst geladen. Klenk soll sich demnach vor dem Bezirksgericht Gmünd verantworten. Der Falter-Chef machte die Anzeige sofort selbst öffentlich und veröffentlichte laut oe24 den Inhalt seiner angeblich „menschenverachtenden Hassnachricht“ auf Facebook – eine private Signal-Nachricht, in der er Veronika Bohrn Mena nach deren eigener Kontaktaufnahme bat, während der Geburtswoche alte Leute nicht zu bedrohen. „Diese meine ‚menschenverachtende Hassnachricht‘ sei so grausam gewesen, dass sie eine Körperverletzung von Mutter und Kind ausgelöst habe“, schrieb Klenk laut oe24 mit ironischer Distanz.
Was davor passiert ist
Um die Absurdität des Vorgangs zu verstehen, braucht es den Kontext. Seit Monaten zieht das Ehepaar Bohrn Mena mit Anwalt Kerschbaumer vor österreichische Gerichte – gegen Hunderte Menschen, denen sie „Hassrede“ oder „Likes“ unter beleidigenden Kommentaren vorwerfen, wie der Falter in zwei Coverstorys vom 2. und 9. Juni 2026 ausführlich dokumentierte.
Darunter ist laut Falter auch die 84-jährige Gisela K. aus dem steirischen Bad Gams, die auf einer Grosz-Facebook-Seite unter einem Kommentar über Sebastian Bohrn Mena auf „Like“ drückte – weil sie „irgendwie herumgetapst“ hatte, wie sie sagt. Monate später erhielt sie eine Privatanklage wegen Beleidigung. Die Schreiben sind laut Falter Schablonen-Briefe, in denen nicht einmal Namen und Titel korrekt geändert wurden. „Sebastian Bohrn Mena postet dann die Klagen wie Trophäen im Kampf gegen den Hass im Netz“, schreibt Klenk – auch um „dann den ‚Hatern‘ großzügig Vergleiche zu offerieren.“
Klenk begann über dieses System zu berichten. Bohrn Mena reagierte laut Falter mit Klagsdrohungen, medialen Angriffen und nun mit der Körperverletzungsanzeige. Er wurde in vier Verfahren von den Bohrn Menas und Kerschbaumer geklagt. Laut Bohrn Mena selbst habe Klenk sie „während der Wehen tyrannisiert“ und ihr „Baby gefährdet“ – Klenk widerspricht dem entschieden: Er habe ihr Geburtswoche-Kontakt nur erwidert und um Ruhe gebeten.
Die Klagsstrategie und ihre Methoden
Was der Falter und jetzt auch OGH und OLG Wien belegt haben: Die rechtliche Grundlage für die Bohrn-Mena-Klagen ist umstritten. Der OGH entschied zuletzt, dass ein „Like“ nicht zwingend als Zustimmung zur Beleidigung zu werten sei – wie wir bereits berichtet haben. Das OLG Wien kam bei einem anderen Like-Fall ebenfalls zu einer für Bohrn Mena ungünstigen Einschätzung.
Dass Kerschbaumer angekündigt hat, nun den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzurufen, illustriert die Verbissenheit, mit der das Ehepaar seine juristische Strategie verfolgt. Klenk bezeichnet das System laut Falter als SLAPP – „Strategic Lawsuit Against Public Participation“ – also Einschüchterungsklagen gegen Berichterstattung.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Die Anzeige wegen Körperverletzung per Facebook-Nachricht ist der bislang krasseste Ausläufer einer Klagsstrategie, die in den vergangenen Monaten immer größere Kreise gezogen hat. Eine 84-Jährige, die aus Versehen auf „Like“ drückt. Hunderte Privatpersonen mit Verfahren überzogen. Und nun: ein Körperverletzungsvorwurf wegen einer privaten Nachricht, in der jemand um Ruhe bei der Geburt gebeten hat. Dass der Kampf gegen echten Hass im Netz legitim und wichtig ist, steht außer Frage. Doch die Methodik des Ehepaars Bohrn Mena hat längst eine Grenze überschritten: Sie klagen nicht mehr nur Hasspostings, sondern auch Journalisten, die über ihre Klagen berichten – und damit genau jene, die Missbrauch öffentlich machen sollen. Wenn das Instrument der Klage selbst zur Waffe gegen Meinungsfreiheit und Pressefreiheit wird, ist es kein Kampf gegen Hass mehr. Es ist ein Kampf gegen Kritik.
Credits:
- Bild von Klenk: Manfred Werner (Tsui) – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53399305
- Bild von Bohrn Mena: Sebastianbohrnmena – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=193745956
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