36.200 Unterschriften: AK fordert bessere Bedingungen für Teilzeitkräfte

36.200 Unterschriften: AK fordert bessere Bedingungen für Teilzeitkräfte

36.200 Unterschriften, ein „Ferienheft mit Aufgaben“ und ein klarer Auftrag an die Regierung: Die Arbeiterkammer macht Druck für bessere Bedingungen für Teilzeitbeschäftigte – und wählt dafür einen ungewöhnlichen Übergabe-Termin mitten im Sommer.

Die Übergabe: Ferienheft statt Sommerpause

Am Mittwochvormittag übergab AK-Präsidentin Renate Anderl ein „Ferienheft mit Aufgaben“ zum Thema Teilzeit an Vizekanzler Andreas Babler und Arbeitsministerin Korinna Schumann, wie oe24 berichtet. Beide gehören der SPÖ an. Das Papier ging aber nicht nur an die beiden: Wie auch der ORF Wien schreibt, wurde es zusätzlich an Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) verschickt – die Arbeiterkammer adressiert die Forderung also bewusst an die gesamte Regierungsspitze.

Hintergrund ist eine Ende April gestartete und mittlerweile beendete AK-Petition mit dem Titel „Mehr Respekt für Teilzeit“. Laut AK Wien haben sich 36.200 Menschen daran beteiligt.

Was die AK konkret fordert

Im Zentrum der Forderungen steht das Thema Mehrarbeit. Die Arbeiterkammer verlangt schon seit Längerem, dass Teilzeitbeschäftigte bei regelmäßiger Mehrarbeit einen Rechtsanspruch auf Stundenaufstockung bekommen. Zusätzlich soll der Zuschlag für Mehrarbeit von aktuell 25 auf 50 Prozent steigen – und das bereits ab der ersten Überstunde, nicht erst nach einer gewissen Schwelle.

Die Dimension des Problems macht eine Zahl deutlich: Laut Arbeiterkammer haben Teilzeitbeschäftigte in Österreich insgesamt rund 7,2 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet.

Zahlen zur Teilzeit in Österreich

Rund 1,4 Millionen Menschen arbeiten in Österreich derzeit Teilzeit. Bei der Verteilung zwischen den Geschlechtern zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Im Vorjahr lag die Teilzeitquote laut Statistik Austria bei Frauen bei knapp 50 Prozent, bei Männern hingegen nur bei 14 Prozent.

Anderl gegen „Lifestyle-Teilzeit“-Debatte

Mit der Petition will die AK auch ein Stück weit das öffentliche Bild von Teilzeitarbeit korrigieren. „Man wolle das Image der Teilzeitbeschäftigten wieder ins richtige Licht rücken“, sagte Anderl gegenüber der APA. Als Hauptgründe für Teilzeitarbeit nennt sie fehlende Kinderbetreuung und Pflegemöglichkeiten sowie Studierende, die sich ihr Studium über einen Teilzeitjob finanzieren.

Besonders deutlich positionierte sich die AK-Präsidentin gegen die von der ÖVP forcierte Debatte um sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ – also die These, dass immer mehr Menschen ihre Arbeitszeit bewusst zugunsten von Freizeit reduzieren würden. Diese Debatte habe sie „sehr geärgert“, so Anderl. Die AK sieht die Sache anders: In den allermeisten Fällen sei die Entscheidung für einen Teilzeitjob keine Frage der Work-Life-Balance, wie es zuletzt hieß.

Kritik an Supermarktketten

Konkrete Kritik übte Anderl auch an den heimischen Supermarktketten. Von diesen wünscht sich die AK-Chefin deutlich mehr Vollzeitstellen – in den Filialen gebe es derzeit nur sehr wenige davon.

Zeitdruck für den Herbst

Die Arbeitnehmervertreter drängen darauf, dass sich die Regierung über die Sommermonate mit dem Teilzeit-Thema befasst und im Herbst konkrete Verbesserungen auf den Weg bringt. Ob und in welcher Form die Koalition auf die Forderungen eingeht, ist derzeit offen.

Credits: Sebastian Philipp

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