300.000 Spielsüchtige, Kokain auf dem Vormarsch: Österreichs Suchtbericht alarmiert

300.000 Spielsüchtige, Kokain auf dem Vormarsch: Österreichs Suchtbericht alarmiert

Erstmals hat die Gesundheit Österreich GmbH Glücksspiel systematisch in ihren Suchtbericht aufgenommen – und die Zahlen sind besorgniserregend. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Drogenbericht: Kokainkonsum hat sich in zehn Jahren verdoppelt, und neue Nikotinprodukte greifen tief in den Alltag von Jugendlichen.

300.000 Spielsüchtige – Schulden im Schnitt 28.000 Euro

Erstmals erfasste die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) Glücksspiel und Sportwetten systematisch in ihrem Suchtbericht. Wie der ORF berichtete, nehmen laut der Erhebung mindestens 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren zumindest einmal im Jahr an Glücksspiel oder Sportwetten teil. Rund vier Prozent – das entspricht etwa 300.000 Personen – zeigen zumindest mildes problematisches Spielverhalten, ein Viertel davon in schwerer Form.

Die GÖG warnte auf ihrer Website besonders vor dem dynamischen Wachstum von Online-Angeboten und Sportwetten, die niedrigschwellig verfügbar seien und vor allem junge Menschen ansprächen. Die Folgen können gravierend sein: Die durchschnittliche Verschuldung von Betroffenen in Behandlung beträgt 28.000 Euro. Gesundheitspsychologe Oliver Scheibenbogen vom Wiener Anton Proksch Institut sagte gegenüber Ö1, dass diese Schuldenlast Betroffene in einen „existenziell bedrohlichen“ Zustand treiben könne – von Depressionen bis zu Suizidversuchen.

Nikotin: Weniger Zigaretten, mehr neue Produkte

Wie der ORF berichtete, bleibt Nikotinabhängigkeit laut dem „Epidemiologiebericht Sucht 2025″ die häufigste Suchtform in Österreich – rund 24 Prozent der Bevölkerung konsumieren täglich Nikotin. Während klassischer Zigarettenkonsum zurückgeht, steigen E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel deutlich an – vor allem bei Jugendlichen. Suchtexperte Scheibenbogen erklärte, diese Produkte enthielten sehr viel Nikotin und seien durch die Schleimhautaufnahme besonders intensiv – Nikotin sei eine der am stärksten abhängig machenden Substanzen überhaupt.

Kokain: Konsum hat sich seit 2015 verdoppelt

Bei illegalen Drogen zeigt der ORF-Bericht ein klares Signal: Kokain gewinnt massiv an Bedeutung. Rund sechs Prozent der Bevölkerung haben zumindest einmal Kokain konsumiert – 2015 waren es erst drei Prozent. Sinkende Preise, steigende Reinheit und wachsende Verfügbarkeit deuten laut GÖG auf ein deutlich ausgeweitetes Angebot hin. Cannabis bleibt die am häufigsten konsumierte illegale Substanz, entwickelt aber laut Bericht bei den meisten Konsumenten keine behandlungsbedürftige Abhängigkeit.

257 Drogentote 2024 – Tirol besonders betroffen

Die Zahl der drogenbezogenen Todesfälle lag 2024 bei 257 – deutlich über dem Niveau der frühen 2010er Jahre. Wie der ORF berichtete, ist ein besonders starker Anstieg bei Mädchen und jungen Frauen zwischen zehn und 19 Jahren zu verzeichnen. Tirol ist dabei besonders betroffen: Allein heuer gab es vier drogenbezogene Todesfälle, darunter drei Mädchen im Alter von 13, 14 und 16 Jahren, die offenbar an einer Überdosis starben.

Credits: APA

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