Das SPÖ-geführte Gesundheitsministerium hat ein wissenschaftliches Gutachten zu Energy-Sniffs beauftragt – tabakfreie Schnupfpulver mit Koffein. Kosten: 11.400 Euro. Die FPÖ tobt, das Ministerium verteidigt den Auftrag als notwendige Grundlage für Jugendschutzmaßnahmen.
Schnedlitz: „Wie absurd ist diese Truppe?“
FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz geht scharf in die Offensive. Dass die SPÖ über 11.000 Euro für eine Studie über „Schnupfpulver“ ausgebe, sei angesichts der Teuerung und der Probleme im Gesundheitssystem völlig verfehlt. „Dass ‚Schnupfpulver‘ – wie es offiziell in der parlamentarischen Beantwortung genannt wird – ungesund ist, sollte doch auch im SPÖ-Ministerium bekannt sein“, kritisiert er, wie Heute berichtet. Sein Vorwurf: falsche Prioritäten in Zeiten massiver Belastungen für die Bevölkerung.
Ministerium: Es geht um Jugendschutz, nicht um Schnupftabak
Aus dem Gesundheitsministerium kommt eine deutliche Klarstellung. Bei den untersuchten Produkten handle es sich nicht um klassischen Schnupftabak, sondern um sogenannte Energy-Sniffs – tabak- und nikotinfreie Schnupfpulver, die mit Koffein, Taurin und Guarana einen schnellen „Energie-Kick“ versprechen. Diese Produkte werden zunehmend von Jugendlichen konsumiert und sind frei verkäuflich.
Die Begründung für das Gutachten: Man brauche die wissenschaftliche Basis, um weitere Maßnahmen „insbesondere im Sinne des Jugendschutzes und der Produktsicherheit rechtlich sauber und wissenschaftlich fundiert vorbereiten zu können“. Das Staatssekretariat betont, ohne solide wissenschaftliche Grundlage könne man keine rechtssicheren Regelungen treffen.
Namensverwechslung sorgt für zusätzlichen Zündstoff
Die Affäre hat noch eine zweite Ebene: In der parlamentarischen Beantwortung scheint als Gutachter ein „Prof. Priv.Doz. Dr. Martin Zeitlinger“ auf. Tatsächlich heißt der Experte aber Dr. Markus Zeitlinger – Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Universität Wien und renommierter Pharmakologe.
Schnedlitz verlangt „sofortige Aufklärung von Ministerin Schumann“ und legt einen brisanten Verdacht nach: Es dürfe nicht sein, dass „möglicherweise unter dem Deckmantel der Wissenschaft ehemalige System-Trommler versorgt werden“.
Ministerium räumt Fehler ein – weist Corona-Vorwürfe zurück
Das Staatssekretariat bestätigt den Fehler bei der Namensnennnung: Der Vorname sei irrtümlich mit „Martin“ angegeben worden – „ein Fehler im Haus, der jedenfalls nicht passieren sollte“. Das Gutachten selbst sei aber mit korrektem Namen veröffentlicht worden.
Die Unterstellung einer politischen Gefälligkeit weist das Ministerium entschieden zurück. Eine mögliche öffentliche Rolle des Gutachters während der Corona-Pandemie sei „nicht relevant und auch nicht bekannt“ gewesen. Ausschlaggebend sei allein die fachliche Expertise im Bereich Pharmakologie gewesen.
Dr. Markus Zeitlinger ist tatsächlich ein anerkannter Experte: Er leitet seit 2015 die Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien, ist Gutachter für die Europäische Arzneimittel-Agentur und hat über 200 wissenschaftliche Publikationen verfasst.
Was sind Energy-Sniffs?
Energy-Sniffs sind ein relativ neues Phänomen am österreichischen Markt. Die Produkte enthalten typischerweise Koffein, Taurin, Guarana und Menthol auf einer Trägerbasis aus Traubenzucker oder Kräutern. Sie werden nasal konsumiert und versprechen eine schnellere Wirkung als Energy-Drinks. Hersteller bewerben die Produkte als legale Alternative zu Kaffee und Energy-Drinks – besonders bei jungen Menschen wächst die Beliebtheit.
Quellen: Exxpress, Heute, Medizinische Universität Wien, Wikipedia
Credits: APA
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