Sonnenschein, Panzer zum Angreifen und eine Hercules im Tiefflug über der Innenstadt: Tausende Menschen kamen am Nationalfeiertag auf den Wiener Heldenplatz. Höhepunkt war die Angelobung von 1.015 Rekruten. Neben Bundespräsident und Kanzler sprach auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) – mit ungewohnt deutlichen Worten zur Sicherheitslage.
“Wie bei einer Versicherung”
Ludwig nutzte seine Rede für eine Warnung. “Gerade jetzt ist es wichtig, sich vorzubereiten auf militärische Auseinandersetzung”, sagte er laut “Heute”. Wien mit seinen 40 internationalen Organisationen sei zwar ein Ort, der Frieden schaffen könne. “Es ist aber trotzdem so, wie bei einer Versicherung: Man muss vorbereitet sein.” Das Bundesheer müsse deshalb bestmöglich ausgerüstet sein. “Es geht darum, Menschenleben zu sichern und zu retten.”
“Hybride Kriegsführung”
Besonders deutlich wurde Ludwig bei den neuen Bedrohungen. “Wichtige Indizien für hybride Kriegsführung gegen die Europäische Union und damit auch Österreich liegen vor”, sagte er. Umso wichtiger sei es, auf Krisen vorbereitet zu sein, mit einem leistungsfähigen Heer und gut ausgebildeten Soldaten. Damit liegt der Wiener Bürgermeister auf einer Linie mit seinem Parteikollegen, Staatssekretär Jörg Leichtfried, der in der Vorwoche von “hybrider Kriegsführung” gegen westeuropäische Staaten gesprochen hatte. Österreich sei aber “noch nicht so im Fokus”, hatte Leichtfried damals betont.
Neutralität mit Einschränkung
Auch die Neutralität sprach Ludwig an. Er erinnerte an den 26. Oktober 1955, als der Nationalrat die immerwährende Neutralität beschloss. Sie sei nach wie vor ein wesentlicher Teil der österreichischen Identität. Neutralität bedeute aber nicht, sich aus internationalen Entwicklungen herauszuhalten oder die eigene Sicherheit zu vernachlässigen. Ähnlich hatte es Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) formuliert: Neutralität habe “nie bedeutet, dass andere für unsere Sicherheit sorgen”.
Lob für den Katastrophenschutz
Den Rekruten selbst zollte Ludwig Respekt. Man solle stolz auf jene sein, die das Gelöbnis sprechen und damit zeigen, dass sie für das Land eintreten. “Das ist etwas ganz Besonderes”, sagte er. Auf das Bundesheer sei immer Verlass, ob bei Hochwasser, nach schweren Unwettern oder bei anderen außergewöhnlichen Ereignissen.
Panzer, Eurofighter, Hercules
Rund um die Angelobung zeigte das Bundesheer bei seiner traditionellen Leistungsschau Fahrzeuge, Panzer und Ausrüstung. Über der Innenstadt flogen Eurofighter und eine Hercules-Transportmaschine. Wie es um das Heer tatsächlich steht, hatte erst am Freitag der Rechnungshof aufgezeigt: Er sieht den Aufbauplan des Bundesheeres wegen fehlenden Personals, fehlender Infrastruktur und knapper Budgets gefährdet.
Credits: Stadt Wien / Christian Jobst
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