Zukunftsdepot: Bauer wirft Marterbauer „ideologische Vorbehalte“ vor

Zukunftsdepot: Bauer wirft Marterbauer „ideologische Vorbehalte“ vor

Aus dem Streit um den Starttermin des sogenannten Zukunftsdepots für Kinder wird ein handfester Koalitionskonflikt. Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) erhöht den Druck auf Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ), dessen Ressort das Vorzeigeprojekt von Kanzler Christian Stocker bremst.

Bauer pocht auf vereinbarten Starttermin

„Der Start mit 1. Jänner 2027 ist vereinbart und zeitlich machbar“, stellt Bauer klar und geht davon aus, dass Vereinbarungen innerhalb der Bundesregierung auch eingehalten werden. Damit nicht genug: Die Familienministerin wirft dem SPÖ-Finanzminister ausdrücklich „ideologische Vorbehalte gegenüber dem Kapitalmarkt und finanzieller Eigenverantwortung“ vor. Ihre Botschaft ist unmissverständlich – der Kapitalmarkt dürfe nicht als Instrument für Reiche abgetan werden, seine Chancen müssten für alle einfach zugänglich sein, auch kleinere Beträge könnten über 18 Jahre hinweg wachsen.

Ausgerechnet SPÖ-Wähler besonders zugeneigt

Untermauert wird Bauers Vorstoß mit einer Umfrage, die sie nun gegen ihren Koalitionspartner ins Treffen führt. Demnach stimmen 73 Prozent der SPÖ-Wähler dem Zukunftsdepot sehr oder eher zu – der höchste Wert unter allen abgefragten Wählergruppen, noch vor den Grünen mit 67 Prozent. Erhoben wurde die Umfrage vom Institut Demox Research zwischen 8. und 11. Mai 2026 unter 1.000 Personen ab 16 Jahren in Österreich. Marterbauers Skepsis trifft damit ausgerechnet in seiner eigenen Wählerbasis auf besonders wenig Rückhalt.

Finanzministerium: Start „praktisch unmöglich“

Das Finanzministerium argumentiert dagegen mit Zahlen. Für das staatliche Startguthaben seien bislang nur für zwei Geburtsjahrgänge jeweils 40 Millionen Euro budgetiert, eine nachhaltige Finanzierung darüber hinaus fehle bisher. Auch die geplante Begünstigung bei der Kapitalertragsteuer sei im Budget noch nicht berücksichtigt. Das Ressort kommt deshalb zu einem klaren Schluss: Ein Start mit 1. Jänner 2027 sei unter diesen Voraussetzungen technisch praktisch unmöglich. Bauer widerspricht dem und verweist auf eigene Gespräche mit Banken, die großes Interesse und den Willen zu einem raschen Start gezeigt hätten – jetzt gehe es darum, rechtzeitig die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Was das Zukunftsdepot konkret vorsieht

Das von Stocker angekündigte Modell soll Kindern einen steuerbegünstigten Vermögensaufbau ermöglichen. Für ab 1. Jänner 2027 geborene Kinder ist bei Eröffnung des Depots ein staatliches Startguthaben von bis zu 500 Euro vorgesehen, Eltern sollen danach jährlich bis zu 5.000 Euro einzahlen können. Bis zur Volljährigkeit sollen weder Kapitalertragsteuer noch Kontoführungsgebühren anfallen, über das angesparte Geld soll grundsätzlich erst ab dem 18. Geburtstag verfügt werden können. Die Koalition hat sich zwar grundsätzlich auf die Einführung verständigt, über die konkrete Ausgestaltung wird aber weiterhin verhandelt.

Was als Streit um einen Starttermin begann, hat sich damit zu einem handfesten Grundsatzkonflikt über Kapitalmarkt, Eigenverantwortung und die Verlässlichkeit von Koalitionsvereinbarungen ausgewachsen.

Credits: Christopher Dunker, BKA

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