Zu nackt: Amt muss Statue wegen Sexismus-Verdacht entfernen

Zu nackt: Amt muss Statue wegen Sexismus-Verdacht entfernen

Auf den Pride-Paraden dürfen fast nackte Menschen in Hundemasken mit Dildos und Peitschen hantieren, Transen zeigen bei Lesungen vor Kindergruppen mehr als man sehen will – doch eine Oben-Ohne-Statue in einem Amt geht gar nicht. Die Posse um die „Venus Medici“ sorgt für Kopfschütteln.

In einer Berliner Bundesbehörde stand jahrelang eine antike Bronzestatue – wie sonst auch in manchen Privathäusern, Museen oder in einem Palais. Jetzt folgte aber ein interner Hinweis auf mutmaßlichen Sexismus. Die Darstellung der nackten „Venus Medici“ wurde daraufhin tatsächlich entfernt und an ein Museum in Leipzig übergeben. Diese Entscheidung wirft Fragen zum Umgang mit klassischer Kunst und zur Balance zwischen Gleichstellung und Kulturverständnis auf.

Ästhetik trifft Bürokratie

Mehr als zehn Jahre lang begrüßte die feingliedrige Bronzefigur der „Venus Medici“ Besucher im Foyer des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) in Berlin-Weißensee. Die 1,55 Meter hohe Statue – ein Abguss aus dem 18. Jahrhundert nach dem berühmten römischen Original in den Uffizien in Florenz – war ein unkommentiertes Kunstobjekt im öffentlichen Raum der Behörde, wie es sie in vielen Amtsgebäuden der Bundesrepublik gibt.

Doch das änderte sich, als die Gleichstellungsbeauftragte der Einrichtung intervenierte. Der Vorwurf: Die Nacktheit der mythologischen Figur könne als sexistisch empfunden werden und sei damit möglicherweise nicht vereinbar mit den Zielen des Bundesgleichstellungsgesetzes. Die Folge: Die Venus musste weichen.

Verbannt ins Museum

Die Skulptur wurde von der Kunstverwaltung des Bundes abgeholt – jene Stelle, die Kunstwerke aus dem Besitz des Bundes für die Ausstattung öffentlicher Einrichtungen bereitstellt. Nach Angaben des Bundesverwaltungsamts geschah dies „unter Beteiligung der Gleichstellungsbeauftragten“. Die Bronzestatue ist inzwischen als Leihgabe im Grassi-Museum in Leipzig untergebracht, wo sie öffentlich ausgestellt wird.

Der Vorfall wurde erst durch Medienberichte, unter anderem der Bild-Zeitung, sowie durch das Grassi-Museum selbst bekannt. Öffentlich kritisiert wurde die Entfernung insbesondere von Stimmen, die in der Maßnahme eine überzogene Form von „Cancel Culture“ und einen unnötigen Eingriff in kulturelles Erbe sehen. Kunsthistoriker verweisen darauf, dass es sich bei der „Venus Medici“ um ein klassisches Motiv handelt, das seit Jahrhunderten als Symbol für Schönheit, Liebe und die kulturelle Ideengeschichte Europas steht.

Keine Beschwerden, keine Vorfälle

Im Gegensatz zu manch anderer Nacktskulptur im öffentlichen Raum, die über die Jahre immer wieder von Berührungen, Schmierereien oder Protesten betroffen war, blieb die Venus im Berliner Amtsgebäude stets unbeschädigt. Auch intern hatte es laut Berichten nie Beschwerden über die Präsenz der Statue gegeben – bis auf die Intervention der Gleichstellungsbeauftragten.

Kritiker werfen der Behörde vor, vorschnell gehandelt zu haben und sich einem ideologischen Bildersturm zu beugen. Für sie steht die Entfernung der Venus symbolisch für einen überregulierten Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum, der zunehmend von der Angst vor möglicher Anstößigkeit geprägt sei.

Credit: Screenshot

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