Zeugnisverteilung für unsere Schulen: Lehrer rebellieren gegen neue Transparenz-Pläne

Zeugnisverteilung für unsere Schulen: Lehrer rebellieren gegen neue Transparenz-Pläne

Es ist ein Thema, das derzeit die Gemüter erhitzt. Bildungsminister Christoph Wiederkehr will ab dem kommenden Herbst die Leistungsdaten unserer Schulen veröffentlichen. Doch die Lehrervertretung schlägt Alarm und warnt vor fatalen Folgen für das heimische Schulsystem.

Der Traum vom fairen Vergleich

Das Bildungsministerium plant eine echte Neuerung. Die Leistungsergebnisse der Schulen sollen künftig für alle einsehbar sein. Dabei geht es vor allem um Daten aus der individuellen Kompetenzmessung PLUS (iKM PLUS) und der Zentralmatura. Das Ziel des Ministers ist ein sogenannter „fairer Vergleich“. Das bedeutet, dass eine Schule danach bewertet wird, ob sie bei ihrer jeweiligen sozialen Durchmischung besser oder schlechter abschneidet als erwartet. Faktoren wie die Erstsprache, der Migrationsstatus der Kinder sowie der Bildungsstand der Eltern sollen dabei berücksichtigt werden, wie die OÖ Nachrichten detailliert ausführen.

Gewerkschaft sieht rot: Angst vor dem Ranking

Die Pläne stoßen bei den Lehrern auf massiven Widerstand. Der oberste Pflichtschulgewerkschafter Paul Kimberger befürchtet das Schlimmste. Wie Kimberger im Ö1-Mittagsjournal erklärte, sorgt er sich vor der Erstellung von Listen mit „schlechten“ und „guten“ Schulen. In anderen europäischen Ländern habe die Veröffentlichung solcher sensiblen Daten unweigerlich in Rankings gemündet – mit all ihren negativen Auswirkungen.

Zudem kritisiert die Gewerkschaft die Informationspolitik des Ministeriums. Wie die Salzburger Nachrichten schreiben, zeigte sich Kimberger verärgert darüber, dass die Vertreter der Lehrer nicht vorab über diese weitreichenden Schritte informiert wurden. Er bezweifelt außerdem stark, dass Eltern die komplexen Daten richtig interpretieren können und warnt davor, dass am Ende nur für mehr Verwirrung gesorgt wird.

Minister bleibt hart: Fakten statt Flurfunk

Christoph Wiederkehr lässt diese Kritik jedoch nicht gelten. Er schließt eine absolute Reihung ohne den fairen Vergleich explizit aus, da dies schlichtweg irreführend wäre, wie News.at zitiert. Der Minister fürchtet auch keine plötzliche Abkehr von bestimmten Standorten.

Schon jetzt gilt der eine oder andere Schulstandort bei Eltern informell als gut oder schlecht. Künftig stehen uns dazu transparente Daten zur Verfügung. Wiederkehr macht deutlich, dass diese nackten Zahlen mit dem bisherigen „Flurfunk“ auf dem Schulhof nicht immer übereinstimmen werden. Neben den reinen Leistungsdaten sollen auch handfeste Infos zur durchschnittlichen Klassengröße, zur Anzahl der Schüler und zu speziellen Schulschwerpunkten veröffentlicht werden.

Wir dürfen gespannt sein, ob diese neue Transparenz wirklich den erhofften Nutzen bringt oder ob sich die Befürchtungen der Lehrer bewahrheiten.

Quellen: oe24.at, Kleine Zeitung, News.at, OÖ Nachrichten, Salzburger Nachrichten
Credits: APA

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