Zeitumstellung: Warum die Wissenschaft längst Klarheit hat – und die Politik weiter streitet

Zeitumstellung: Warum die Wissenschaft längst Klarheit hat – und die Politik weiter streitet

Am Wochenende ist es wieder soweit: Die Uhren werden um eine Stunde zurückgestellt, und die Winterzeit – oder besser gesagt, die Normalzeit – beginnt. Doch während Millionen Menschen den Mini-Jetlag spüren, tobt in der Politik ein Streit, der längst überfällig scheint. Warum? Weil die Wissenschaft schon lange weiß, was richtig wäre.

Winterzeit: Die „echte“ Zeit

Die Winterzeit ist nicht irgendeine Zeit – sie ist die Normalzeit. Sie entspricht der mittleren Sonnenzeit, bei der die Sonne um 12 Uhr mittags am höchsten steht. Die Sommerzeit hingegen ist ein künstliches Konstrukt, das ursprünglich eingeführt wurde, um Energie zu sparen. Doch wie Reinhold Lopatka, Delegationsleiter der ÖVP im EU-Parlament, gegenüber oe24 betont: „Die erhoffte Energieeinsparung hat sie nie gebracht.“ Stattdessen sorgt sie für unnötigen Stress – besonders bei Kindern und Senioren.

Sommerzeit: Ein Angriff auf den Biorhythmus

Wissenschaftlich betrachtet ist die Sache klar: Der menschliche Biorhythmus orientiert sich an der Sonne, nicht an der Uhr. Chronobiologen und Schlafmediziner warnen eindringlich vor den Folgen einer dauerhaften Sommerzeit. Denn im Winter würde das bedeuten, dass wir eine Stunde „zu früh“ aufstehen – mitten in der biologischen Nacht. Die Folgen? Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Herz-Kreislauf-Belastungen und sogar Depressionen. Andreas Schieder, SPÖ-EU-Delegationsleiter, nennt die Zeitumstellung ein „nostalgisches Ritual“, das längst abgeschafft gehört.

Warum die Politik nicht handelt

Das EU-Parlament hat sich bereits 2018 für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Doch die Mitgliedstaaten können sich nicht einigen, ob die Sommer- oder die Winterzeit beibehalten werden soll. Während Österreich eher zur Sommerzeit tendiert, bevorzugen Länder wie Spanien die Winterzeit. Anna Stürgkh von den NEOS mahnt: „Nationale Alleingänge müssen vermieden werden.“ Doch warum wird die Wissenschaft nicht stärker einbezogen? Die Forschung ist sich einig, aber die Politik entscheidet – wie so oft – nach wirtschaftlichen und symbolischen Gesichtspunkten.

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x