Gut zwei Wochen nach seiner überraschenden Bewerbung um den SPÖ-Vorsitz zieht Gerhard Zeiler einen Schlussstrich unter seine Kandidatur – ohne das Wort „Rückzug“ in den Mund zu nehmen. In einem Instagram-Video erklärt der Medienmanager sein Ziel für erreicht und kündigt an, sich weiter einzumischen.
„Dem hat die Parteispitze Rechnung getragen“
„Mir ist es bei meinem Angebot darum gegangen, einen Erneuerungsprozess in der SPÖ einzuleiten, denn der bisherige Kurs hat Österreich und die Sozialdemokratie in eine falsche Richtung geführt“, sagt Zeiler laut oe24 in dem Video. „Dem hat die Parteispitze am Sonntag mit der Ernennung von Markus Marterbauer Rechnung getragen.“ Dem Finanzminister wünscht er „aus ganzem Herzen erstens ein schnelles Gesundwerden und zweitens viel Erfolg, wenn er die SPÖ übernimmt“.
Was tatsächlich beschlossen ist
Ganz so eindeutig, wie Zeiler es darstellt, ist die Lage allerdings nicht. Beim Krisengipfel am Sonntag wurde vereinbart, dass Marterbauer Anfang 2027 Vizekanzler werden soll, sofern es seine Gesundheit zulässt. Den Parteivorsitz will Andreas Babler laut eigenem Video zum selben Zeitpunkt abgeben. Wer die SPÖ danach führt, soll ein außerordentlicher Parteitag im Frühjahr 2027 entscheiden. Marterbauer gilt laut Berichten zwar als Wunschkandidat der Landesparteien, öffentlich hat er sich zu einer Kandidatur für den Vorsitz aber nicht geäußert.
„Von mir werden Sie viel hören“
Ganz verabschieden will sich Zeiler nicht. Er werde es sich nicht nehmen lassen, „beständig auf die notwendigen Lösungen hinzuweisen, die Österreich und die SPÖ benötigen, damit wir nicht gegen die Wand fahren“. Das erfordere Mut und neue Ideen: „Und über diese neuen Ideen werden Sie von mir in den nächsten Wochen und Monaten viel hören.“
Vom „überhaupt nicht“ zum geordneten Abgang
Noch am Samstag hatte Zeiler gegenüber den „Oberösterreichischen Nachrichten“ erklärt, er denke „überhaupt nicht“ an einen Rückzug. Nach dem Gipfel am Sonntag war seine Position dann schwierig geworden: Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim erklärte das „Kapitel“ Zeiler in der „ZiB2“ für beendet, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hielt seine Ambitionen „nicht für zweckmäßig“, es habe „keine sehr starke Stimmung“ für ihn gegeben. Theoretisch hätte Zeiler über die Unterschriften von zehn Prozent der Mitglieder eine Direktwahl erzwingen können. Diesen Weg geht er nun offenbar nicht.
Die SPÖ ordnet sich
Parallel dazu informiert die Partei ihre Mitglieder und Gremien über den Fahrplan. Babler hat sich per Video an die Basis gewandt, Eva-Maria Holzleitner und Philip Kucher, die ihm künftig geschäftsführend zur Seite stehen, schrieben an die Vorstandsmitglieder. Am Donnerstag soll der Bundesparteivorstand den Kompromiss formal beschließen.
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