Den SPÖ-Vorsitz hat er nicht bekommen, Ruhe gibt Gerhard Zeiler trotzdem nicht. Der frühere Time-Warner-Manager gründet in Wien einen eigenen Thinktank. Eine Partei soll daraus nicht werden, sagt er. Seiner alten Partei gibt er dafür eine deutliche Warnung mit auf den Weg.
“Ein Think-Tank, wenn Sie so wollen”
“Ich gründe das Institut 2035”, kündigte Zeiler laut oe24 bei einem Medientermin an. Die Gesellschaftsform sei noch offen, das Institut finanziere er selbst. Gemeinsam mit Experten will er sich den grundlegenden Zukunftsfragen Österreichs und Europas widmen. “Die weltanschauliche Basis ist sozial und wirtschaftsfreundlich”, so Zeiler. Erste Ergebnisse erwartet er in drei bis sechs Monaten. Der Grund für die Eile: “Es kommt ein Tsunami auf Europa zu.”
Zwischen Momentum und Agenda Austria
Seine Position verortet Zeiler zwischen den bekannten Denkfabriken des Landes. “Es gibt einen breiten Durchgang zwischen Momentum-Institut und Agenda. Es gibt die breite Mitte der Gesellschaft. Es geht auch darum, ein bisschen radikaler zu denken.” Das Momentum Institut gilt als gewerkschaftsnah und links, die Agenda Austria als wirtschaftsliberal. Ziel sei nicht “die eine Lösung”, sondern mehrere Lösungsansätze. “Die Politik muss den Menschen Zukunftsperspektiven geben, sonst werden jene Parteien gewählt, die die knalligen Botschaften, aber keine Lösungen haben – die Rechtspopulisten.” Eine Parteigründung schließt er aus: “Ich will keine Partei gründen.”
“Die Frage hat sich erledigt”
Den SPÖ-Vorsitz hat Zeiler abgehakt. Anfang Oktober hatte er sich der Partei als Nachfolger von Andreas Babler angeboten, durchgesetzt hat sich ein anderer Plan: Finanzminister Markus Marterbauer soll Anfang 2027 Vizekanzler werden, wer die Partei künftig führt, ist noch offen. “Die Frage hat sich erledigt. Ich hoffe, Marterbauer nutzt seine Chance”, sagt Zeiler jetzt. “Sonst wird die SPÖ eine laut schreiende Opposition, die keinen Einfluss mehr haben wird.”
Corbyn, Mélenchon, Linke
Dann folgt seine schärfste Warnung. Die SPÖ habe noch “das entscheidende Gen: gewinnen zu wollen”. Sie brauche aber eine klare Ausrichtung. “Sollte die SPÖ den Weg von Jeremy Corbyn, Jean-Luc Mélenchon oder der Linken in Deutschland gehen, dann geht sie den Weg einer Sekte, die irrelevant wird.” Gemeint sind der frühere Chef der britischen Labour-Partei, der französische Linkspopulist und die deutsche Linkspartei. Die Botschaft ist klar: Zeiler steht für einen wirtschaftsfreundlicheren Kurs der Mitte als jenen, den Babler verkörpert hat.
Eine Partei in der Krise
Die Zahlen geben der Sorge Nahrung. Zeiler sprach von 15 Prozent in den Umfragen, tatsächlich liegt die SPÖ in den jüngsten Erhebungen sogar nur zwischen 12 und 14 Prozent, bei OGM und IFDD hinter den Grünen. Mit Marterbauer an der Spitze käme sie laut Lazarsfeld auf 16, laut einer Blitzumfrage für “Heute” auf 17 Prozent. Ob Marterbauer neben dem Vizekanzleramt auch den Parteivorsitz übernimmt, will er erst später entscheiden.
Credits: Warner Bros. Discovery, Inc. or its subsidiaries and affiliates / mit KI-erweitert
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