Drei Euro für einen Liter Diesel? Dieses Szenario malt eine neue Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer. Schuld sei Österreichs Ziel, schon 2040 klimaneutral zu werden – zehn Jahre früher als die EU. Die Kammer fordert eine Kurskorrektur, Umweltschützer sprechen von Stimmungsmache.
Die Rechnung der Studie
Erstellt hat die Studie das Wirtschaftsforschungsinstitut Economica unter der Leitung von Christian Helmenstein, der zugleich Chefökonom der Industriellenvereinigung ist. Laut APA beziffert Helmenstein die Mehrkosten an der Zapfsäule im Jahr 2035 auf 95 Cent je Liter Diesel und 86 Cent je Liter Benzin – im Vergleich zu einem Szenario, in dem Österreich nur die EU-Vorgaben umsetzt. Das entspräche einem Preisanstieg von 40 bis 50 Prozent. Im untersuchten Szenario würde Diesel damit rund drei Euro pro Liter kosten, wie “Heute” berichtet. Für die Unternehmen rechnet die Kammer laut oe24 mit bis zu zwei Milliarden Euro zusätzlicher Treibstoffkosten.
Der Auslöser: ein neues Gesetz
Im Zentrum steht der Entwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz Verkehr (EEG-V), der sich derzeit in Vorbegutachtung befindet. Es soll die EU-Erneuerbaren-Richtlinie RED III im Verkehr umsetzen und schreibt Produzenten und Händlern vor, den Anteil erneuerbarer Kraftstoffe schrittweise zu erhöhen. Laut Wirtschaftskammer geht der Entwurf zeitlich und inhaltlich über die EU-Vorgaben hinaus und nimmt in seinen Erläuterungen ausdrücklich das österreichische Klimaziel 2040 vorweg. WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger spricht von “massivem Goldplating”, also einer Übererfüllung von EU-Recht.
Weniger Wachstum, weniger Lohn
Die Folgen gingen laut Studie über den Tankstellenpreis hinaus. Das Bruttoinlandsprodukt würde bis 2035 dauerhaft um 0,30 Prozent geringer ausfallen, der private Konsum um 0,72 Prozent zurückgehen und die Reallöhne um 0,56 Prozent sinken, berichten die “Salzburger Nachrichten”. Besonders treffe das einkommensschwache Haushalte. “Wir können nicht über Spritpreisbremsen diskutieren und zusätzliche neue Kostentreiber quasi gleichzeitig beschließen”, sagte Danninger laut “Oberösterreichischen Nachrichten”.
Drei Forderungen an die Regierung
Die Kammer stellt drei Forderungen: den Verzicht auf eine nationale Übererfüllung der EU-Ziele im Verkehr, mehr Technologieoffenheit sowie den Schutz von Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Das Klimaneutralitätsziel soll laut kosmo.at an das EU-Zieljahr 2050 angepasst werden. Die Regierung hält bisher an 2040 fest. Eine Frage beantwortet die Studie allerdings nicht: Ob Österreich bei einem späteren Klimaziel Folgekosten entstehen würden, etwa durch den Zukauf von Emissionszertifikaten oder Klimaschäden, wurde laut oe24 nicht berechnet.
WWF: “Irreführende Stimmungsmache”
Kritik kommt von Umweltschützern. Schon als Danninger Ende September erste Berechnungen präsentierte, warf der WWF der Kammer eine einseitige Darstellung und “irreführende Stimmungsmache” vor. Die Wirtschaftskammer habe mit ihrem langjährigen Widerstand gegen den Ausstieg aus Öl und Gas die Abhängigkeit von fossilen Energien selbst mitverfestigt, so die Umweltorganisation laut finanzen.at. Der Zeitpunkt der Studie ist jedenfalls kein Zufall: Die Inflation lag im September bei 3,6 Prozent, getrieben vor allem von Diesel und Heizöl.
Credits: WKÖ/Marek Knopp
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