Beim Staatsbesuch in Peking gibt sich Trump freundlich, Xi philosophisch. Hinter der Wärme liegt eine klare Botschaft: In der Taiwan-Frage duldet Peking keinen Fehler.
Militärische Ehren, zwei Stunden Gespräch
Mit einem Empfang vor der Großen Halle des Volkes startete der erste volle Gesprächstag zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping. Wie oe24 berichtet, schüttelten beide Staatschefs einander ausgiebig die Hände, schritten eine Militärformation ab — Trump applaudierte dabei Kindern, die US-Flaggen schwenkten. Das erste Gespräch dauerte laut US-Journalisten rund zwei Stunden, im Anschluss traf Xi hochrangige Wirtschaftsvertreter aus der amerikanischen Delegation — darunter Elon Musk, Apple-Chef Tim Cook und Nvidia-Chef Jensen Huang.
Xi bringt die Thukydides-Falle ins Spiel
Den intellektuell schärfsten Moment lieferte nicht Trump — sondern Xi. Wie oe24 unter Berufung auf die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, brachte der chinesische Staatschef die sogenannte „Thukydides-Falle“ ins Gespräch. Gemeint ist das von dem griechischen Historiker beschriebene und vom Politologen Graham Allison reaktivierte Muster: Wenn eine aufstrebende Macht an eine etablierte Führungsmacht heranrückt, endet das historisch häufig in einem Krieg — nicht weil beide ihn wollten, sondern weil die Dynamik sie hineinzog.
Xi fragte, ob China und die USA ein „neues Modell für die Beziehungen zwischen Großmächten“ schaffen könnten — und zog damit gleichzeitig die historische Warnung und den Ausweg aus ihr in einem einzigen Satz zusammen.
Taiwan: Rote Linie mit Ansage
Ungewohnt direkt äußerte sich Xi zur Taiwan-Frage. Sollte dieses Thema „schlecht gehandhabt werden“, drohe es zu „Spannungen oder sogar Konflikten“ zwischen beiden Ländern zu führen, sagte er laut oe24. Das sei eine „äußerst gefährliche Lage“. Gleichzeitig ließ er offen: Bei guter Handhabung könne Taiwan auch die Stabilität zwischen beiden Mächten wahren.
Die Aussage ist diplomatisch verpackt — aber als Klartext zu lesen: Peking beansprucht Taiwan als eigenes Territorium, die USA beliefern den Inselstaat trotz scharfer chinesischer Kritik mit Waffen. Trump hat sich zur Taiwan-Frage in Peking bisher nicht öffentlich geäußert.
Hormuz, Handel — und Nividia-Chips
Neben Taiwan stehen laut oe24 der Iran-Krieg und der Handelskonflikt auf der Agenda. Washington erhofft sich von Peking Unterstützung bei der Öffnung der Straße von Hormuz — China ist der größte Abnehmer iranischen Öls und damit ein Schlüsselakteur. Beim Handel wiederum hatten beide Seiten Ende Oktober am Rande eines Gipfels in Südkorea eine Pause im Zollstreit vereinbart — nun geht es darum, wie dauerhaft diese Pause sein kann.
Dass Nvidia-Chef Jensen Huang zur Delegation zählt, ist kein Zufall. Amerikanische KI-Chips gelten als einer der zentralen Streitpunkte — die USA haben den Export von Hochleistungs-Halbleitern nach China stark eingeschränkt, Peking fordert deren Freigabe.
Am Donnerstagabend empfängt Xi Trump zum Staatsbankett — am Freitag tritt der US-Präsident die Heimreise an.
Credits: APA
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