Fahndung beendet: Tatverdächtiger nach Berlin-Anschlag bei SEK-Einsatz erschossen

Fahndung beendet: Tatverdächtiger nach Berlin-Anschlag bei SEK-Einsatz erschossen

Rund 20 Stunden nach der Todesfahrt beim Christopher Street Day in Berlin ist die Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter zu Ende. Ein Spezialeinsatzkommando stellte den 21-Jährigen in einer Gartenkolonie in Berlin-Spandau – bei dem Zugriff fielen tödliche Schüsse.

Der Zugriff in Spandau

Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass ein SEK-Einsatz in einer Gartenlaube im Bezirk Spandau mit dem Anschlag vom Samstagabend in Zusammenhang stehe, wie oe24.at unter Berufung auf „Focus Online“ berichtet. Nach Angaben des stellvertretenden Polizeisprechers Jörn Iffländer war auch das Sondereinsatzkommando (SEK) der Berliner Polizei vor Ort, wie das Schweizer Portal Blick.ch dokumentiert. Bei dem Zugriff kam es zu einem Schusswechsel: Augenzeugen berichteten von einer großen Zahl schwer bewaffneter, behelmter Einsatzkräfte, die die Parzelle stürmten. Ein Reanimationsversuch vor Ort blieb erfolglos.

Zur genauen Todeszeit gibt es leicht abweichende Angaben in ersten Medienberichten: Während die „Zeit“ laut oe24.at von einer Erschießung durch die Einsatzkräfte berichtet, nennt „Bild“ die konkrete Uhrzeit 18.34 Uhr, zu der der Verdächtige nach einem Schuss verstorben sein soll. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) reagierte mit Dank an die Einsatzkräfte: „Ich bin den Sicherheitsbehörden dafür dankbar, dass der Attentäter so schnell aufgefunden wurde. Das ist eine großartige Leistung“, zitiert sie oe24.at.

Ein Name, ein Gesicht – und ein Innenminister, der Klartext spricht

Im Lauf des Tages wurde aus dem zunächst nur mit Anfangsbuchstaben genannten „Abdul B.“ ein voller Name: Abdul Ballout. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bestätigte bei einem Pressestatement in der Nähe des Tatorts nicht nur die Identität, sondern nahm auch eine klare Einordnung vor: „Alles deutet darauf hin, dass wir es mit einem islamistischen Terroranschlag zu tun haben“, so Dobrindt, wie der Tagesspiegel aus dem Statement zitiert. Ballout sei deutscher Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund, 2005 in Berlin geboren; seine aus dem Libanon stammende Mutter wurde demnach 2002 eingebürgert.

Besonders brisant: Der 21-Jährige war den Sicherheitsbehörden nicht irgendwie, sondern intensiv bekannt. Dobrindt sprach laut Tagesspiegel von einem „hohen Maß an Straftaten“ und einer „islamistischen Radikalisierung“ des Verdächtigen. Erst kürzlich war er wegen anderer Delikte zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden – die Staatsanwaltschaft hatte in diesem Verfahren allerdings drei Jahre Freiheitsstrafe gefordert und gegen das mildere Urteil Rechtsmittel eingelegt, wie der Minister weiter ausführte. Nach Angaben des Nachrichtenportals Euronews soll Ballout zudem mit dem „Islamischen Staat“ sympathisiert haben.

Die Opferbilanz wächst

Auch beim Ausmaß der Verletzungen zeigt sich im Tagesverlauf ein deutlich größeres Bild als zunächst angenommen: Statt der in ersten Meldungen genannten rund 16 Verletzten spricht Euronews inzwischen von einer Toten und 29 Verletzten. Mittlerweile befänden sich alle Verletzten außer Lebensgefahr, berichtet das Portal Blick.ch. Bestätigt wurde außerdem, dass der Täter nach der Fahrzeugkollision zusätzlich mit einer Stichwaffe auf Menschen losgegangen sein soll.

Ein Detail, das noch für Verwirrung sorgt

Trotz der Erschießung des Hauptverdächtigen ist der Fall aus Sicht der Ermittler noch nicht restlos aufgeklärt. Laut „Focus Online“ gehen Sicherheitskreise inzwischen eher von einem Einzeltäter aus – eine Aussage, die frühere Spekulationen über einen möglichen zweiten Täter zumindest vorläufig einordnet, wie auch Euronews in seinem Liveblog-Titel andeutet. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) betonte zudem, dass sich die Tat außerhalb des eigentlich abgesicherten CSD-Bereichs ereignet habe.

Wie es weitergeht

Offizielle, über die bisherigen Pressestatements hinausgehende Details zum genauen Ablauf des Zugriffs in Spandau hält die Polizei bislang zurück und verweist auf die zuständige Staatsanwaltschaft. Diese ermittelt nun sowohl zu den genauen Umständen der Todesschüsse als auch zum Motiv und möglichen Mitwissern des Anschlags.

Credits: Bundespolizei / Polizei Berlin

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