Ein sattes Gehaltsplus bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sorgt für gewaltigen Wirbel. Während viele Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Gürtel enger schnallen müssen, gönnt sich die Kammer für ihre Mitarbeiter eine Erhöhung, die deutlich über der Inflation liegt. Jetzt ruft der erste prominente Unternehmer zum offenen Aufstand auf.
„Ein fatales Signal“
Die Kritik ist laut und kommt aus dem Herzen der Wirtschaft. Unternehmer Stephan Zöchling, Ex-Vorstand der Pierer Industrie und Chef des steirischen Auspuffherstellers Remus, hat die Nase voll. Wie oe24.at berichtet, fordert er nun andere Unternehmer auf, die Kammerumlagen vorübergehend nicht mehr zu zahlen. „Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Kammer endlich spürt, was der Rest des Landes schon lange hört: den Warnschuss“, heißt es in einer Aussendung von Zöchling.
Er argumentiert, dass selbst die Metallergewerkschaft verstanden habe, dass es angesichts der Konjunkturflaute kein „Weiter wie bisher“ geben könne – „die WKO offenbar nicht“. Die Gehaltserhöhungen seien ein „fatales Signal“ und ein „völlig falsches Zeichen“. Zöchling hofft, „dass sich 100 österreichische Unternehmen dem Beispiel von Remus anschließen, diese Gelder nicht mehr abzuführen.“
Politischer Gegenwind und überraschendes Lob
Auch die Parteien reihen sich in den Chor der Kritiker ein. Die SPÖ wirft der Kammer „Doppelmoral“ vor, wie oe24.at meldet. „Von allen anderen bei jeder Gelegenheit Lohnzurückhaltung fordern und sich selbst dann mitten in der Krise ein sattes Lohnplus (…) zu gönnen, zeugt von Abgehobenheit und Doppelmoral“, so SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim. Ähnlich kritisch äußerten sich zuvor bereits FPÖ, NEOS und die Grünen.
Überraschendes und seltenes Lob kommt hingegen von der Gewerkschaft. Roman Hebenstreit, Chef der Gewerkschaft vida, ließ verlauten: „Ich begrüße das Umdenken der Wirtschaftskammer und ihres Präsidenten ausdrücklich.“ Dies sei ein Beweis dafür, dass es ohne ordentliche Lohnsteigerungen keine wirtschaftliche Erholung geben könne.
So verteidigt sich die Kammer
Und was sagt die WKÖ selbst? Sie verteidigt die Gehaltserhöhung von 4,2 Prozent und argumentiert, es handle sich um eine zeitverzögerte Anpassung, die sich an den KV-Abschlüssen der Unternehmen aus dem Vorjahr orientiere. Diese lagen zwischen 5,4 und 9,2 Prozent. Damit wolle man „die Realitäten der Mitgliedsunternehmen bestmöglich abbilden“. Zudem betont die WKÖ, dass die Gehaltserhöhungen im langjährigen Vergleich deutlich niedriger ausfallen als in der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Dienst. Die Erhöhung sei nicht das Ergebnis von Verhandlungen, sondern basiere auf einer Formel, die 2024 von allen Fraktionen im WKÖ-Präsidium einstimmig beschlossen worden sei.
Credits: APA
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