Vor einer Woche strich die WKÖ-Bundesorganisation jeden vierten Job. Jetzt folgt Oberösterreich mit einem eigenen Reformpaket. Die Sparwelle rollt durch die gesamte Kammerstruktur.
Was das Wirtschaftsparlament OÖ beschlossen hat
Das Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Oberösterreich hat am Dienstag mit breiter Mehrheit ein Reformkonzept beschlossen. Kern des Pakets laut oe24.at: Die Kammerumlage 2 soll bis 2029 von derzeit 0,19 auf 0,16 Prozent gesenkt werden — das sind rund zehn Millionen Euro weniger pro Jahr. Im Gegenzug werden bis 2029 rund 50 der derzeit 410 Vollzeitäquivalente über natürliche Fluktuation abgebaut, was einem Personalrückgang von zehn bis 15 Prozent entspricht.
Das Reformpapier wurde laut oe24.at von Wirtschaftsbund, Sozialdemokratischem Wirtschaftsverband, UNOS, Liste Industrie, WIR und Grüner Wirtschaft getragen. Einzig die Freiheitliche Wirtschaft stimmte dagegen.
WKÖ-Präsidentin Doris Hummer unterstrich den Kontext: Oberösterreich habe bereits jetzt den niedrigsten Beitragssatz aller Länderkammern. Mit der Senkung seit 2025 und dem neuen Pfad ergibt sich laut Hummer ein Minus von 20 Prozent — Oberösterreichs Beitrag zum bundesweiten Entlastungsziel von 100 Millionen Euro jährlich.
Neben Sparen: KI-Services, Coaching, Start-up-Förderung
Das Reformpaket ist kein reines Sparkonzept. Laut oe24.at soll das Serviceangebot für Mitglieder gleichzeitig verbessert werden: KI-Services werden ausgebaut, eine Service-, Beratungs- und Ausbildungsoffensive geplant, Coachings für Unternehmer und ein Förderangebot für Start-ups im Export sollen neu entstehen. Vorgesehen sind außerdem eine transparentere Leistungsbilanz und eine Statuserhebung zu Rücklagen und stillen Reserven.
Warum OÖ nur der Anfang ist
Oberösterreich ist kein Einzelfall — es ist Teil einer gesamten Reformwelle. Wie orf.at und Tiroler Tageszeitung berichteten, hatte WKÖ-Präsidentin Martha Schultz am 2. Juni in der Bundesorganisation angekündigt, 200 der 800 Stellen in der Bundeskammer in Wien-Wieden bis Ende 2027 abzubauen — ein Viertel der Belegschaft, sozialverträglich und in Abstimmung mit dem Betriebsrat. Das Ziel laut Schultz laut Tiroler Tageszeitung: „Ziel ist eine moderne, schlagkräftige Interessenvertretung. Wir bauen Doppelgleisigkeiten, Ineffizienzen und Unübersichtlichkeiten in der Organisation ab.“
Mit der Bundeskammer und nun Oberösterreich sind die Dominosteine in Bewegung. Laut APA-Bericht, den sn.at dokumentiert, sind auch die übrigen acht Landeskammern gefordert, ihren Beitrag zu leisten. Wie dieser im Einzelnen aussieht, wird in den kommenden Monaten entschieden.
Credits: Starmayr
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