Windrad-Schrott als Umweltproblem: Bayerischer Unternehmer wegen illegaler Entsorgung angeklagt

Windrad-Schrott als Umweltproblem: Bayerischer Unternehmer wegen illegaler Entsorgung angeklagt

Ein Entsorgungsunternehmer aus Bayern sitzt in Untersuchungshaft, weil er tonnenweise Windrad-Abfälle illegal nach Tschechien verschoben haben soll. Der Fall ist kein Einzelfall – er zeigt das strukturelle Müllproblem der Windenergiebranche.


Der Fall: 450 Tonnen Schrott in Tschechien

Der Geschäftsführer der bayerischen Firma Roth International – ansässig nahe Weiden in der Oberpfalz – sitzt in Untersuchungshaft. Wie Tichys Einblick unter Berufung auf Recherchen des ZDF berichtete, soll das Unternehmen zusammen mit einem Komplizen tonnenweise Windrad-Abfälle ohne Genehmigung nach Tschechien verbracht haben: 150 Tonnen nahe Jiříkov in Nordböhmen, weitere 300 Tonnen in einem Gewerbegebiet bei Brünn in Mähren. Eine toxische Mischung aus Glas- und Carbonfaserteilen, Gummi, Metallen und Batterieresten. Die Firma ist inzwischen insolvent. Die Kosten für den Rücktransport nach Deutschland – mehrere Hunderttausend Euro – muss laut Tichys Einblick nun der Freistaat Bayern tragen.

Die tschechische Umweltinspektion vermutet hinter dem Skandal ein kriminelles, europaweit agierendes Netzwerk.

Das Grundproblem: Rotorblätter lassen sich kaum recyceln

Der Fall hat eine strukturelle Ursache. Wie die Fachagentur Wind und Solar auf ihrer Website erläutert, können zwar bis zu 90 Prozent des Materials einer Windenergieanlage recycelt werden – nicht aber die Rotorblätter. Diese bestehen aus glas- und carbonfaserverstärkten Verbundkunststoffen (GFK/CFK), für die es bis heute kein flächendeckendes, wirtschaftliches Recyclingverfahren gibt.

Wie Blackout News unter Berufung auf Bundestags- und UBA-Daten berichtete, fallen in Deutschland bereits heute bis zu 20.000 Tonnen Rotorblattabfall pro Jahr an – in den 2030er-Jahren werden es bis zu 50.000 Tonnen sein. Ende 2025 standen laut Fachagentur Wind und Solar 29.226 Windenergieanlagen in Deutschland, etwa die Hälfte davon älter als 15 Jahre, ein Drittel sogar über 20 Jahre alt.

Texas, Iowa, Tschechien: Ein globales Problem

Der deutsch-tschechische Skandal ist kein Einzelfall. Wie Blackout News berichtete, lagerten im texanischen Sweetwater mehr als 3.000 Windkraftflügel illegal auf zwei Flächen – das Unternehmen Global Fiberglass Solutions sollte die Teile recyceln, ließ sie stattdessen jahrelang verrotten. Generalstaatsanwalt Ken Paxton leitete Anfang 2026 Klage ein und ließ vier Personen anklagen. In Iowa wurde ebenfalls gegen ein Unternehmen wegen rechtswidriger Lagerung vorgegangen.

Branche und Politik ohne Lösung

Der Bundesverband Windenergie (BWE) und der Landesverband Erneuerbare Energien Berlin-Brandenburg (LEE BB) forderten laut ihrer gemeinsamen Stellungnahme bundeseinheitliche Standards zur Klassifizierung von Verbundmaterialien sowie ein Exportverbot für gebrauchte Rotorblätter. Beides fehlt bisher. Das Bundesumweltministerium antwortete auf eine ZDF-Anfrage laut Tichys Einblick mit dem Satz: „Die Entwicklung und Anwendung von Entsorgungslösungen für Rotorblätter befindet sich in einem dynamischen Prozess.“ Eine konkrete Lösung sieht anders aus.

Credits. APA

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