Die Situation in Österreichs Gefängnissen spitzt sich dramatisch zu. Immer mehr Jugendliche landen hinter Gittern, und die Justizanstalten wissen schlichtweg nicht mehr, wohin mit ihnen. Die Folgen sind fatal: Völlig überfüllte Zellen, Personalnot und junge Straftäter, die mangels Platz einfach zu erwachsenen Kriminellen gesperrt werden.
Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) präsentierte kürzlich den Parlamentsbericht 2025 – und die Zahlen schockieren. Gab es im Jahr 2024 noch 125 inhaftierte Jugendliche, waren es Ende 2025 bereits 182. Das ist ein rasanter Anstieg von rund 46 Prozent in nicht einmal zwölf Monaten.
Zu wenig Platz: Jugendliche bei Erwachsenen eingesperrt
Der extreme Platzmangel führt zu drastischen Maßnahmen. Da die Jugendabteilungen aus allen Nähten platzen, werden junge Insassen immer häufiger mit Erwachsenen in eine Zelle gesteckt. Volksanwältin Schwarz nennt die Lage schlichtweg „dramatisch“. In der Justizanstalt St. Pölten musste die Jugendabteilung im März 2025 wegen des enormen Drucks sogar komplett geschlossen werden. Vier Jugendliche landeten prompt in Mehrpersonenhafträumen für Erwachsene.
Auch in Wiener Neustadt sah es im August 2025 nicht besser aus: Fünf Jugendliche saßen dort ohne eigene Abteilung fest. Die bittere Realität für diese Insassen: Keine Ergotherapie, keine Sozialpädagogik und keinerlei kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung, wie der Bericht der Volksanwaltschaft schonungslos aufdeckt.
Neues Vorzeige-Gefängnis versinkt im Chaos
Eigentlich sollte die neue Justizanstalt Münnichplatz in Wien-Simmering für Entlastung sorgen. Seit Februar 2026 ist sie für männliche Jugendliche im Vollbetrieb und bietet 72 Haftplätze. Doch von Entspannung fehlt jede Spur. Dort sind derzeit bereits 82 Jugendliche untergebracht – eine Auslastung von 114 Prozent!
Das Justizministerium reagierte prompt und hob die sogenannte Belagsfähigkeit ab Mai einfach auf 90 Plätze an. Für Volksanwältin Schwarz ist das ein denkbar schlechter Scherz: Das Gefängnis sei damit überfordert, noch bevor es richtig laufe. Um die vielen Häftlinge überhaupt unterzubringen, müssen nun Stockbetten in die Zellen gestellt werden. Die empfohlene Einzel- oder Zweierbelegung ist Geschichte, und die ohnehin engen Platzverhältnisse steigern das Risiko für Gewalt unter den Insassen massiv.
Personalnot und eine tragische Rekordzahl an Suiziden
Zusätzlich zum Platzmangel kämpft die Justizwache mit einem massiven Personalproblem. In der Einrichtung am Münnichplatz stehen laut der Volksanwaltschaft derzeit nur 43 der 60 vorgesehenen Beamten zur Verfügung. Einige davon haben nicht einmal Vorkenntnisse im Jugendstrafvollzug. Das Justizministerium hält dagegen und spricht von 60 besetzten Stellen, gibt aber gleichzeitig „operative Herausforderungen“ zu.
Die angespannte Lage in den Gefängnissen fordert seinen Tribut. So gab es im Jahr 2025 einen traurigen Höchststand bei Suiziden in Haft. Bis zum Jahresende wurden der Volksanwaltschaft 59 versuchte und acht vollendete Suizide gemeldet. Das Justizministerium betont zwar, dass man kontinuierlich daran arbeite, Anzeichen frühzeitig zu erkennen, doch die Zahlen sprechen eine klare und düstere Sprache.
Die heimischen Justizanstalten sind längst am Rande ihrer Belastbarkeit angekommen. Es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen dieses Chaos in den Griff bekommen wollen, bevor die Situation endgültig eskaliert.
Quelle: oe24.at, Parlamentsbericht 2025 der Volksanwaltschaft, Stellungnahmen des Justizministeriums
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