Es ist eine bittere Wahrheit für den heimischen Arbeitsmarkt: Weibliche Flüchtlinge finden in Österreich nur sehr schwer einen Job. Während die Integration bei Männern oft gut voranschreitet, bleiben Frauen aus bestimmten Ländern massiv auf der Strecke. Besonders düster sieht die Lage bei Zuwanderern aus Afghanistan, Syrien und Somalia aus.
Extreme Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Wie eine aktuelle Studie des Migrationsforschers Rainer Münz und der Synthesis Forschung im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) zeigt, klafft die Schere zwischen den Geschlechtern weit auseinander. Blickt man auf die Asylwerber, die in den Krisenjahren 2015 und 2016 nach Österreich kamen, offenbart sich acht bis neun Jahre später ein drastisches Bild: Etwa 75 Prozent der Männer haben mittlerweile eine Arbeit gefunden. Bei den Frauen sind es jedoch nicht einmal 40 Prozent.
Besonders alarmierend ist die Situation bei Frauen aus Somalia. Wie die Daten des Berichts verdeutlichen, gehen nach fast einem Jahrzehnt im Land nur knapp 33 Prozent von ihnen einer ausreichenden Beschäftigung nach. Auch bei Frauen aus Syrien (36 Prozent) und Afghanistan (rund 38 Prozent) sieht die Bilanz kaum besser aus.
Europäer und Ukrainer fassen schneller Fuß
Dass Integration in den Beruf auch rascher gelingen kann, zeigen andere Zuwanderergruppen. Bürger aus der EU weisen völlig andere Quoten auf. Bereits im ersten Jahr nach ihrer Ankunft haben drei Viertel von ihnen einen Job. Langfristig klettert dieser Wert sogar auf 80 Prozent.
Auch bei den Vertriebenen aus der Ukraine verläuft der Prozess anders. Über 70 Prozent der Menschen, die 2022 vor dem Krieg flüchteten, blieben nach zwei Jahren in Österreich, und viele drängen weitaus schneller auf den Arbeitsmarkt. Bei Zuwanderern aus EU-Staaten zeigt sich hingegen ein überraschendes Detail: Rund die Hälfte verlässt Österreich nach drei bis vier Jahren bereits wieder.
Warum die Integration der Frauen stockt
Doch woran scheitert der Berufseinstieg bei Frauen aus dem arabischen und afrikanischen Raum? Wie Analysen von Organisationen wie „arbeit plus“ aufzeigen, stehen diese Frauen vor massiven Hürden. Oft sind es tief verankerte traditionelle Rollenbilder und patriarchalische Strukturen, die sie an den Haushalt binden. Dazu kommen fehlende soziale Netzwerke, sprachliche Barrieren und schlichtweg ein Mangel an Kinderbetreuungsplätzen. Wenn die familiäre Unterstützung fehlt, rückt der Traum vom eigenen Einkommen in weite Ferne.
Die Politik sieht dennoch kleine Fortschritte. Wie Integrationsministerin Susanne Raab beziehungsweise das Ressort laut Medienberichten betont, zahlt sich der Ausbau von Integrationsmaßnahmen langsam aus. Bei jenen, die 2019 ins Land kamen, lagen die Erwerbsquoten nach fünf Jahren bei den Männern bei über 60 Prozent und bei den Frauen bei fast 30 Prozent – ein Zeichen, dass die Prozesse mittlerweile etwas schneller greifen. Damit sich Arbeit im Vergleich zu Sozialleistungen auch wirklich rechnet, fordert die Politik nun noch bessere Rahmenbedingungen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die massive Lücke am Arbeitsmarkt zu schließen.
Quelle: exxpress.at, Österreichischer Integrationsfonds (ÖIF), Synthesis Forschung, arbeit plus
Credits: APA
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