Die Wiener Linien stehen vor einem finanziellen Scherbenhaufen: Der Jahresverlust des städtischen Verkehrsunternehmens hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht und beträgt nun satte 378 Millionen Euro. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht hervor, wie unter anderem profil berichtet.
Teure Tickets und leere Kassen
Die Fahrgäste spüren die Krise direkt im Geldbeutel: Die Jahreskarte wird ab Januar 2026 um 100 Euro teurer und kostet dann 467 Euro. Nach 13 Jahren Preisstabilität ist dies ein herber Schlag für die Wienerinnen und Wiener. Die Stadt Wien, Eigentümerin der Wiener Linien, begründet die Preiserhöhung mit der Notwendigkeit, die Zuschüsse zu reduzieren, die zuletzt bei 485 Millionen Euro jährlich lagen (Kosmo).
Personalkosten außer Kontrolle
Ein Blick in die Bilanz zeigt, dass vor allem die Personalkosten den Verlust in die Höhe treiben. Diese stiegen von 659 Millionen Euro auf 743 Millionen Euro. Neben Gehaltserhöhungen trug auch der Personalzuwachs von 8922 auf 9537 Mitarbeiter zu den steigenden Ausgaben bei. „Die Lohnerhöhungen der letzten Jahre machen sich jetzt bemerkbar“, heißt es im Bericht von profil.
Cashflow im roten Bereich
Besonders alarmierend: Der Cashflow der Wiener Linien – also die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben – ist ins Negative gerutscht. Während 2023 noch ein Plus von 106 Millionen Euro verzeichnet wurde, lagen die Ausgaben 2024 um 87 Millionen Euro über den Einnahmen. Finanzexperte Gerald Zmuegg warnt: „Preisdeckel sind nur eine Aufschiebung neuer Belastungen für die Bürger. Je länger sie dauern, umso böser ist das Erwachen“ (Kosmo).
Fahrgastrekord trotz Krise
Ironischerweise verzeichneten die Wiener Linien im vergangenen Jahr einen Fahrgastrekord: 873 Millionen Menschen nutzten die Öffis, ein Plus von 6,8 Prozent. Auch die Zahl der Stammkunden erreichte mit 1,3 Millionen Jahreskartenbesitzern einen neuen Höchststand. Doch dieser Erfolg reicht offenbar nicht aus, um die finanziellen Löcher zu stopfen (Kosmo).
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Muttergesellschaft Wiener Stadtwerke hat bereits Haftungserklärungen für Bankkredite der Wiener Linien übernommen. Doch Experten fordern Einsparungen statt weiterer Belastungen für die Bürger. „Es ist Zeit, die Kostenstruktur zu überdenken“, wird Zmuegg von profil zitiert.
Die Wienerinnen und Wiener müssen sich also auf härtere Zeiten einstellen – sowohl finanziell als auch in Sachen Vertrauen in ihre Öffis.
Quellen: profil, Kosmo
Credits: APA
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