Eine neue Integrationsstudie der Stadt Wien sorgt seit Tagen für politische Debatten. Die Ergebnisse sind laut Studienleiter Kenan Güngör „sehr bedenklich“ – und kommen ausgerechnet kurz vor dem neuen Kopftuchverbot an Schulen.
Die Studie: Wer befragt wurde und was sie zeigt
Wie aus der Aussendung des Presseservice der Stadt Wien vom 8. Mai hervorgeht, wurden im Rahmen der Studie 1.200 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 21 Jahren befragt – darunter Österreicher sowie Jugendliche mit türkischem, bosnischem, syrischem, afghanischem und tschetschenischem Hintergrund. Durchgeführt wurde die Erhebung von den Forschungsinstituten think.difference und SORA unter der Leitung von Soziologe Kenan Güngör, im Auftrag des Stadtratsbüros für Bildung und Integration.
Ein wichtiger methodischer Hinweis, den die Türkische Kulturgemeinde Österreich (TKG) in ihrer Stellungnahme explizit hervorhebt: Die Studie ist laut eigenem Forschungsbericht ausdrücklich nicht repräsentativ. Dennoch wurden die Ergebnisse laut TKG medial und politisch als weitreichende wissenschaftliche Grundlage präsentiert – ohne diese Einschränkung hinreichend zu betonen.
53 Prozent für Kopftuch – kurz vor dem Schulverbot
Besonders viel Aufmerksamkeit erzeugt ein Befund: Wie heute.at berichtet, befürworten 53 Prozent der befragten muslimischen Jugendlichen, dass Musliminnen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen sollten. Die Studienautoren sprechen laut Presseservice der Stadt Wien von sozialem und religiösem Druck innerhalb der Communitys. Brisant ist der Zeitpunkt: Ab 1. September 2026 gilt laut heute.at an österreichischen Schulen ein striktes Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 Jahren.
Religion über Gesetz – und über anderen Religionen
Wie das Presseservice der Stadt Wien festhält, stimmen 41 Prozent der befragten muslimischen Jugendlichen der Aussage zu, dass religiöse Vorschriften über den Gesetzen in Österreich stehen. Unter christlichen Jugendlichen liegt dieser Wert bei 21 Prozent. Für 65 Prozent der muslimischen Befragten gelten islamische Vorschriften in allen Lebensbereichen – und müssen streng eingehalten werden.
Den Religionsvergleich beleuchtet heute.at genauer: 73 Prozent der schiitischen und 68 Prozent der sunnitischen Muslime bezeichnen sich als sehr oder eher religiös. Bei katholischen Jugendlichen sind es 41 Prozent, bei orthodoxen Christen 38 Prozent. Wie wien.ORF.at berichtet, warnte Güngör im ZIB-2-Interview dennoch vor vereinfachten Schlüssen: „Wir haben in Teilgruppen bedenkliche und alarmierende Entwicklungen – aber wir kennen auch die Hebel, bei denen wir ansetzen müssen.“
Kampf für den Glauben – und Social-Media-Radikalisierung
Wie heute.at weiter berichtet, geben 46 Prozent der muslimischen Jugendlichen an, bereit zu sein, „für die Verteidigung seines Glaubens zu kämpfen und zu sterben“. Unter christlichen Jugendlichen sagen das 24 Prozent. Als zentraler Verstärker konservativer Einstellungen gilt laut Güngör die digitale Sozialisation: „70 bis 80 Prozent“ dessen, was Jugendliche über den Islam auf Social Media mitbekommen, stamme aus problematischen Quellen. Wie aus der städtischen Presseaussendung hervorgeht, zeigen Jugendliche, die sich primär online religiös orientieren, signifikant häufiger antidemokratische Einstellungen.
Politische Reaktion: Emmerling fordert Ethikunterricht
Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS) sieht laut wien.ORF.at einen klaren Handlungsauftrag: Sie plädiert für einen gemeinsamen Ethik- und Demokratieunterricht sowie stärkere Elternarbeit. Güngör selbst betont, dass Bildungsbenachteiligung, soziale Ausgrenzung und autoritäre Erziehung mindestens genauso relevant seien wie Religion. Jugendliche, die gute Bildungschancen erhalten und sich Wien zugehörig fühlen, zeigten laut Presseservice der Stadt Wien deutlich geringere antidemokratische Muster.
Credits: APA
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