Die Stadt Wien unterstützt das in Niederösterreich ansässige Urban Forum mit öffentlichen Geldern. Wie hoch das Gesamtbudget des Vereins ist, wer ihn darüber hinaus finanziert und welche Vergütung Generalsekretär Bernhard Müller erhält, ist öffentlich nicht nachvollziehbar. Obmann des Vereins ist Wiens früherer Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ).
Die Förderungen der Stadt Wien an das niederösterreichische Urban Forum
Das Urban Forum – Egon Matzner-Institut für Stadtforschung befasst sich mit Städten, kommunalen Herausforderungen und öffentlicher Daseinsvorsorge. Laut Förderbericht der Stadt Wien erhielt der Verein 2024 eine Gesamtförderung von 60.000 Euro. Für die laufende Tätigkeit 2025 beschloss der Wiener Gemeinderat ein Förderangebot über höchstens 51.000 Euro. Dafür stimmten SPÖ, NEOS und Grüne, dagegen ÖVP und FPÖ. Ob und in welcher Höhe dieser Betrag tatsächlich ausbezahlt wurde, geht aus dem Beschluss nicht hervor.
Wiener Ex-SPÖ-Bürgermeister Häupl: “Bereits alles geklärt”
Häupl erklärte am Mittwoch in einem Telefonat mit exxtra24, die Angelegenheit sei mit der Stadt Wien und dem Magistratsdirektor für 2026 “bereits alles geklärt und erledigt”. Worauf sich diese Aussage konkret bezieht – etwa auf eine Förderung, organisatorische Fragen oder andere Vereinbarungen – und welche Rolle Häupl dabei als Obmann des Vereins spielte, ließ er offen. Ein früherer Weggefährte Müllers, der als SPÖ-Funktionär in Niederösterreich aktiv ist, sagte exxtra24: “Man müsste einmal hinterfragen, wer dieses Urban Forum überhaupt finanziert.”
Reaktionen der Opposition
Eine Anfrage an Wiens ÖVP-Landesobmann Markus Figl und Landesgeschäftsführer Lorenz Mayr blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Beide Parteien hatten im Gemeinderat gegen das Förderangebot gestimmt. Mit rund 6% Prozent in den Umfragen droht der Wiener ÖVP längst die politische Bedeutungslosigkeit – ihr Schweigen lässt jedenfalls wenig Oppositionsgeist erkennen. Die FPÖ kündigte hingegen an, die Causa rechtlich überprüfen lassen zu wollen. Vielleicht folgt sogar eine Sachverhaltsdarstellung bei der WKStA bzw. IFG (Informationsfreiheitsgesetz) Anfragen seitens der Parteien bzw. Extern gegen die Stadt Wien und das Urban Forum?
Was der Verein leistet
Laut seiner eigenen Rückschau auf das Jahr 2024 organisierte das Urban Forum 33 Veranstaltungen mit insgesamt 2.600 Gästen und veröffentlichte 24 Zeitschriftenausgaben sowie 14 Bücher. Auch für 2026 sind auf der Website Veröffentlichungen und Gesprächsformate dokumentiert. Angaben dazu, welche eigenständigen Forschungsergebnisse daraus hervorgingen, welche Empfehlungen in Städten umgesetzt wurden und wie die Fördergeber Kosten und Nutzen bewerten, finden sich dort nicht.
Keine öffentliche Finanzübersicht
Bei der Recherche ließ sich kein aktueller öffentlicher Finanzbericht finden, der sämtliche Einnahmen und Ausgaben des Vereins zusammenführt. Auch eine vollständige Liste der Sponsoren mit Beträgen war nicht auffindbar. Das bedeutet nicht, dass solche Unterlagen intern nicht existieren, schränkt aber die öffentliche Nachvollziehbarkeit ein. Offen sind damit unter anderem die Höhe des Jahresbudgets, weitere öffentliche und private Geldgeber, Einnahmen aus Mitgliedschaften und Publikationen sowie die Aufteilung der Ausgaben auf Projekte, Veranstaltungen, Verwaltung und Personal. Ebenso offen ist, warum die Stadt Wien einen Verein mit Sitz in Niederösterreich fördert und welchen konkreten Nutzen die Wiener Bevölkerung davon hat.
Die Vergütung des Generalsekretärs
Bernhard Müller, früherer SPÖ-Bürgermeister von Wiener Neustadt, wird auf der Website des Vereins als Generalsekretär geführt. Öffentliche Angaben zu seinen Bezügen, Honoraren oder sonstigen Vergütungen aus dem Verein sowie zum Umfang seiner Tätigkeit liegen nicht vor. Ebenso ist nicht bekannt, wer über eine allfällige Vergütung entscheidet.
Debatte um Doktortitel
Müller stand zuletzt auch wegen seines akademischen Titels in der Diskussion. Wie exxtra24 am 27. Mai 2026 berichtete, äußerte Plagiatsprüfer Stefan Weber Zweifel an Müllers “Doctor of Science” und an der Auffindbarkeit seiner Dissertation. Der Titel stammt vom polnischen Collegium Humanum – Warsaw Management University, das wegen zahlreicher Missstände geschlossen wurde. Der “Kurier” griff die Debatte am folgenden Tag auf. Müllers Anwalt Wolfgang Schöberl erklärte dort, sein Mandant habe das Studium absolviert, eine Dissertation verfasst und verteidigt und 2023 den Titel erworben. Die Arbeit sei als Buch veröffentlicht worden, Müller sei zur Führung des Titels berechtigt. Müller ist außerdem albanischer Honorarkonsul und pflegt Wirtschaftskontakte nach China.
Wenn Wien einen Verein mit Sitz in Niederösterreich fördert, muss die Stadt erklären können, welchen konkreten Nutzen die Wiener Bevölkerung davon hat. Niederösterreichische Patienten sollen draußen bleiben, Wiener Steuergeld darf natürlich rein. Offenbar ist die Landesgrenze nur für Menschen dicht – Überweisungen genießen freie Fahrt.
Credits: Von Thomas Iwanschitz – Stadt Wiener Neustadt, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22734459 (Ki-erweitert)
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