Wiederkehrs Plan: Vorschule abschaffen — aber eine Mehrheit will das nicht

Wiederkehrs Plan: Vorschule abschaffen — aber eine Mehrheit will das nicht

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat mit seinem „Plan Zukunft“ eine Reihe von Schulreformen vorgestellt. Eine der umstrittensten: die Abschaffung der Vorschulklasse. Laut einer Standard-Umfrage findet die Idee wenig Anklang.

Was Wiederkehr plant

Im Rahmen seines „Plan Zukunft“ skizziert Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) eine umfassende Reform des österreichischen Schulsystems. Beim Übergang vom Kindergarten zur Volksschule lautet sein Ansatz: Jedes Kind soll willkommen geheißen werden, „unabhängig von Entwicklungsstand und Vorkenntnissen“, wie es im Planpapier heißt. Die Konsequenz daraus: Die Vorschulklasse, in die Kinder geschickt werden, die mit sechs Jahren noch nicht schulreif sind, soll wegfallen.

Stattdessen sollen alle Kinder gemeinsam in die erste Klasse eintreten — mit verstärkter individueller Förderung innerhalb des Regelunterrichts. Wie Der Standard berichtet, stieß diese Idee in einer eigens durchgeführten Umfrage auf klare Ablehnung: Eine Mehrheit der Befragten spricht sich gegen die Abschaffung der Vorschule aus.

Warum die Vorschule umstritten ist — in beide Richtungen

Die Vorschule ist kein ideologisch neutrales Instrument. Befürworter ihrer Abschaffung argumentieren, dass sie Kinder stigmatisiert und soziale Ungleichheiten verstärkt — wer in die Vorschule muss, wird früh als „nicht bereit“ markiert. Bildungsforscher verweisen zudem darauf, dass eine verzögerte Einschulung oft keinen messbaren Lernvorteil bringt.

Die Gegner sehen das anders. FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl erklärte in einer Aussendung, gerade Kinder, die zusätzliche Förderung brauchen, würden „ins kalte Wasser geworfen“, wenn die Vorschule wegfalle. Laut Brückl verschleiere der Ansatz das eigentliche Problem: Kinder, die bei Schuleintritt nicht ausreichend Deutsch sprechen, könnten weder von einem integrativen noch von einem separaten System profitieren, solange Sprachkompetenz nicht vor Schuleintritt vorausgesetzt werde.

Das Gesamtpaket — und seine Schwachstellen

Die Vorschul-Debatte ist nur ein Baustein von Wiederkehrs Reformagenda. Sein „Plan Zukunft“ sieht unter anderem eine „Mittlere Reife“ als neuen Bildungsabschluss nach der neunten Schulstufe vor, neue Fächer wie „Demokratie und Konfliktlösung“ sowie eine Reform der Leistungsbeurteilung. Für die Jahre 2027 und 2028 stehen laut NEOS 340 Millionen Euro für zentrale Reformprojekte bereit.

Kritik kommt nicht nur von der FPÖ. Auch innerhalb der Koalition mahnt die SPÖ zur Vorsicht — der Ausbau der Ganztagsschule gehe „viel zu schleppend voran“, wie Grünen-Abgeordnete Sigrid Maurer beim Bildungsausschuss im Jänner festhielt. Das Grundproblem bleibt: Österreichs PISA-Ergebnisse verschlechtern sich seit Jahren — und der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg gehört zu den stärksten in der EU.

Ob die Abschaffung der Vorschule diesem Problem entgegenwirkt oder es verstärkt, ist unter Fachleuten offen. Dass eine Bevölkerungsmehrheit das Experiment skeptisch betrachtet, ist für Wiederkehr kein gutes Zeichen — zumal Reformen im Bildungsbereich ohne gesellschaftlichen Rückhalt erfahrungsgemäß nicht nachhaltig sind.

Credits: APA

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