Wiederkehr in der ZiB 2: Lehrerlöhne, Kindergartenreform und Hitzedebatte

Wiederkehr in der ZiB 2: Lehrerlöhne, Kindergartenreform und Hitzedebatte

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat am Sonntagabend in der ORF-ZiB 2 die geplante Bildungsreform verteidigt – und dabei ORF-Moderatorin Margit Laufer mit einer Aussage zu Lehrerlöhnen in Erstaunen versetzt.

„Sie verwundern mich jetzt“

Den überraschendsten Moment des Interviews lieferte eine Frage zu den Lehrerlöhnen. Auf die Frage, ob Lehrer künftig in allen Bundesländern gleich verdienen würden, antwortete Wiederkehr laut heute.at: „Ja, das ist schon jetzt der Fall.“ Moderatorin Margit Laufer rang sichtlich um Fassung: „Sie verwundern mich jetzt.“ Schließlich sei die große Kritik, dass Lehrkräfte je nach Bundesland unterschiedlich viel verdienten – und sogar pro Schulstandort unterschiedliche Bezüge möglich seien. Wiederkehr ruderte zurück: Bei Lehrpersonen gebe es ein einheitliches Dienstrecht, beim „Freizeitpersonal“ habe Laufer aber recht – das solle nun vereinheitlicht werden.

Kindergartengruppen schrumpfen – aber langsam

Zur Verkleinerung der Kindergartengruppen erklärte Wiederkehr laut heute.at: „Wir starten nächstes Jahr, schrittweise pro drei Jahre ein Kind weniger.“ Langfristig soll die Gruppengröße unter 22 Kinder sinken – aktuell ist das wegen des bestehenden Pädagogenmangels noch nicht möglich. Als Ziel formulierte der Minister: „Für mich soll ein Kindergartenkind in Vorarlberg gleich viel wert sein wie eines im Burgenland.“ Bundesweit einheitliche Mindestöffnungszeiten von 45 Stunden pro Woche und maximal fünf Wochen Schließzeit sollen ebenfalls kommen. Bei der Betreuung der Unter-3-Jährigen räumte Wiederkehr Nachholbedarf ein: „Da sind wir in Österreich noch nicht gut genug.“

Hitze und Sommerferien: Kein klarer Temperaturwert

Auch die Hitzedebatte kam zur Sprache. Wiederkehr zeigte sich laut heute.at offen gegenüber einer Vorverlegung der Sommerferien, wollte sich aber auf keine konkrete Temperatur für „Hitzefrei“ festlegen – das solle ein Hitzegipfel am Mittwoch klären. „Es gibt Evidenz dafür, dass es sinnvoll ist“, sagte er zur Vorverlegung. Eine Verkürzung der Sommerferien sei hingegen nicht geplant. Eine österreichweit einheitliche Lösung werde er bei einer Konferenz der Bildungslandesräte im Herbst anstreben.

Die großen Reformziele

Übergeordnetes Ziel der geplanten Bildungsreform ist laut Wiederkehr mehr Schulautonomie: Schulleitungen sollen künftig selbst entscheiden können, welche Kräfte sie am Standort brauchen – das gesamte Personal soll über die Schuldirektion abrufbar sein. Modernisierte Lehrpläne mit mehr Finanzbildung, Medienkompetenz und KI sowie zusätzliche Unterstützung für besonders herausfordernde Schulstandorte seien weitere Kernpunkte. Eltern sollen laut Wiederkehr „echte Wahlfreiheit“ bekommen – Kinder „bessere Bildungschancen, unabhängig von der Postleitzahl“.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Wiederkehrs Auftritt in der ZiB 2 illustriert das Kernproblem der Bildungsreform: Die Ankündigungen klingen ambitioniert, die Umsetzung ist jedoch von Kompromissen geprägt. Drei Jahre pro Kind weniger in Kindergartengruppen ist kein rascher Durchbruch. Dass der Minister bei einer so grundlegenden Frage wie Lehrerlöhnen eine sachlich unrichtige Antwort gab und erst von der Moderatorin korrigiert wurde, ist kein gutes Zeichen für den Informationsstand des Ressorts. Ob die Reform tatsächlich die Chancengleichheit verbessert und den Bildungsrückstand aufholt, den Experten seit Jahren beklagen, wird sich erst in Jahren zeigen.

Credits: BKA Andy Wenzel

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