Wiedergewählt mit Dämpfer: Hergovich verliert zehn Prozentpunkte

Wiedergewählt mit Dämpfer: Hergovich verliert zehn Prozentpunkte

86,3 Prozent klingt gut. Für einen Parteichef, der vor zwei Jahren noch mit 96,2 Prozent gewählt wurde und zuletzt intern unter Beschuss stand, ist es ein spürbarer Dämpfer.

Das Ergebnis: Offiziell ein Erfolg, faktisch ein Rückschritt

Wie oe24 unter Berufung auf APA berichtete, wurde SPÖ-NÖ-Landeschef Sven Hergovich beim 44. ordentlichen Landesparteitag in Vösendorf mit 86,3 Prozent der Stimmen von 334 anwesenden Delegierten wiedergewählt. Hergovich nannte das laut oe24 ein „starkes Ergebnis“ und einen „kräftigen Rückhalt.“ Zum Vergleich: Bei seiner ersten Wahl 2023 hatte er noch 96,2 Prozent bekommen. Hergovich selbst hatte im Vorfeld der NÖN.at und ORF NÖ gegenüber die Erwartungen gezielt gedämpft: „Ich rechne mit einem Ergebnis über 70 Prozent, was mich persönlich sehr freuen würde, wenn wir das schaffen.“ Das war keine Bescheidenheit – das war Erwartungsmanagement nach einem turbulenten Frühjahr.

Ein historischer Vergleich, der aufhorcht

Ein Blick in die Geschichte der SPÖ NÖ macht das Ergebnis noch deutlicher. Wie puls24.at unter Berufung auf historische Wahldaten berichtete, hatte Hergovichs Vorgänger Franz Schnabl bei seiner ersten Wahl 2017 noch 98,8 Prozent geholt – fiel dann auf 86 Prozent (2018) und zuletzt auf 89 Prozent (2022), bevor er nach dem historischen Wahldebakel 2023 abtrat. Hergovich liegt nun beim zweiten Anlauf bereits auf dem Niveau, auf dem Schnabl gegen Ende seiner Zeit angekommen war. Ob das ein Ausrutscher ist oder ein strukturelles Signal – das wird die Landtagswahl 2028 zeigen.

Die Vorgeschichte: Eine Herausforderung aus den eigenen Reihen

Wie NÖN.at als erstes berichtete, schockte Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig die Partei Mitte April mit der Ankündigung, gegen Hergovich zu kandidieren. In einem Schreiben an Mitglieder und Landesparteivorstand erklärte sie, es sei „deutlich geworden, dass es in Teilen der Partei den Wunsch nach personellen Veränderungen gibt.“ Pikant: Hergovich erfuhr von der Gegenkandidatur laut nachrichten.at aus den Medien. Den Vorwurf an seine Adresse brachte die NÖN auf den Punkt: zu viel Selbstverwirklichung, zu wenig Arbeit für die Partei.

Vier turbulente Tage – dann Rückzug

Wie noe.ORF.at und NÖN.at berichteten, dauerte die Eskalation vier Tage. Am 15. April zog Königsberger-Ludwig nach einer Sitzung des erweiterten Landesparteipräsidiums in St. Pölten ihre Kandidatur zurück. „Meine Intention war niemals, der SPÖ Niederösterreich zu schaden“, betonte sie. Einstimmig wurde danach beschlossen, dass Hergovich die Wiederwahl anstrebe und als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2028 geht. Wie nachrichten.at berichtete, gilt Hergovich als Kritiker von Bundesparteichef Babler – auch wenn er das öffentlich nie so formuliert hat.

Beschwörung der Einheit – und subtile Botschaften

Wie oe24 berichtete, beschwor Hergovich in seiner Parteitagsrede die Einheit – ohne das interne Kräftemessen direkt anzusprechen: „Es gibt Kräfte, die Interesse daran haben, uns zu spalten. Politische Gegner sind nicht in den eigenen Reihen zu suchen.“ Auch Königsberger-Ludwig betonte laut oe24: „Gehen wir einig hinaus, gehen wir geschlossen raus.“ Vizekanzler Babler marschierte Seite an Seite mit Hergovich in den Saal ein – unter Applaus. Ob dahinter echte Geschlossenheit steckt oder politische Inszenierung, werden die nächsten Monate zeigen. Die Landtagswahl 2028 kommt schneller, als es beiden lieb sein dürfte.

Credits: APA

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