Die Grünen-EU-Abgeordnete Lena Schilling sorgt erneut mit Zahlen für Verwirrung. Am Wiener Opernball behauptete sie, die „zehn reichsten Haushalte Österreichs“ seien für die Hälfte der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Tatsächlich spricht die gemeinte Studie von den reichsten zehn Prozent – ein gewaltiger Unterschied.
Protest-Kleid mit fragwürdigen Zahlen
Mit einem weißen Ballkleid, auf dem „Tax the rich, save the climate“ prangte, zog Schilling am Opernball alle Blicke auf sich. In einem Video, das sie später selbst auf Instagram verbreitete, erklärte sie wie Exxpress berichtet: „Nobel geht die Welt zugrunde, weil wir gerade feststellen müssen, dass die zehn reichsten Haushalte Österreichs für die Hälfte der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind.“
Ihre Schlussfolgerung: „Es gibt keinen besseren Ort, eine Erbschafts- und Reichensteuer zu fordern, als hier im Wiener Opernball.“ Welche zehn Haushalte das sein sollen, sagte sie nicht – denn diese zehn Haushalte existieren in keiner Studie.
Zehn Prozent, nicht zehn Haushalte
Lena Schilling bezieht sich höchstwahrscheinlich auf eine Analyse der Arbeiterkammer Wien. Doch dort ist nicht von den „zehn reichsten Haushalten“ die Rede, sondern vom reichsten Zehntel – also den obersten zehn Prozent aller Haushalte. Ein gewaltiger Unterschied, wie auch Heute.at feststellt.
Bei über vier Millionen Haushalten in Österreich wären zehn Prozent rund 400.000 Haushalte – nicht zehn. Wie Heute.at vorrechnet: Österreich stößt pro Jahr rund 66 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus. Würde man die Hälfte davon auf nur zehn Haushalte verteilen, käme man auf 3,3 Millionen Tonnen pro Haushalt – Emissionen in der Größenordnung großer Industriebetriebe. Eine rechnerisch unhaltbare Theorie.
Kapitalbasierte Emissionen statt Privatjets
Was Schilling nicht erwähnt: Die AK-Studie zählt nicht nur direkte Emissionen durch Heizen, Autofahren oder Flüge. Sie rechnet zusätzlich sogenannte kapitalbasierte Emissionen ein. Das heißt: CO₂, das bei Unternehmen entsteht, wird anteilig den Eigentümern zugerechnet – über Aktien, Fonds oder Firmenbeteiligungen.
Weil Vermögende überproportional viel Unternehmenskapital halten, landen bei ihnen in dieser Logik auch deutlich mehr „zugerechnete“ Emissionen. Schillings Instagram-Post „Mit dem Millionenerbe der Superreichen sollten wir Klimaschutz statt Privatjets finanzieren“ ist damit irreführend – Privatjets allein erklären diese Größenordnung nicht.
Schilling selbst in den Top-10-Prozent
Ein pikantes Detail: EU-Abgeordnete erhalten laut Europäischem Parlament ein Grundgehalt von rund 11.255 Euro brutto im Monat, also über 135.000 Euro im Jahr. Legt man eine Einkommens-Logik zugrunde, wie sie der Ökonom Branko Milanović empfiehlt, gehört Schilling damit selbst zu den obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher in Österreich.
Kritik aus allen Lagern
In den sozialen Medien hagelt es Kritik. Wie Nachrichten.at berichtet, fragen sich Nutzer: „Wer sind die zehn reichsten Haushalte in Österreich und wie misst man deren CO₂-Ausstoß?“ Die Vermutung vieler: Schilling hat schlicht „zehn Prozent“ mit „zehn Haushalten“ verwechselt.
Nicht die erste Rechen-Panne: Bereits im vergangenen Jahr scheiterte Schilling in einem Interview an der Umrechnung von 2.000 Cent in Euro. Ihre Antwort damals: „Oida, Mathefragen – ich bin raus!“
Quellen: Exxpress, Heute.at, Nachrichten.at, Weekend.at
Credits: APA
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