Weniger als 1 Prozent: 860 Syrer kehrten zurück – für bis zu 1.000 Euro Starthilfe

Weniger als 1 Prozent: 860 Syrer kehrten zurück – für bis zu 1.000 Euro Starthilfe

Seit dem Sturz Assads im Dezember 2024 sind 860 Syrer freiwillig aus Österreich in ihre Heimat zurückgekehrt. Das entspricht weniger als einem Prozent der rund 105.000 in Österreich lebenden syrischen Staatsbürger. Die Regierung zahlt bis zu 1.000 Euro Bargeld als Anreiz – und plant gleichzeitig mehr Abschiebungen.

Die Zahlen im Überblick

Von 9. Dezember 2024 bis 30. Jänner 2026 sind 860 Syrer freiwillig nach Syrien zurückgekehrt, wie das Innenministerium gegenüber oe24 bestätigt. „Eine Rückkehr aus Österreich nach Syrien findet laufend statt“, heißt es aus dem Ministerium. Zum Vergleich: Insgesamt leben derzeit rund 105.000 syrische Staatsbürger in Österreich.

Zwangsweise außer Landes gebracht wurden im Jahr 2025 exakt 121 Syrer – die meisten davon im Rahmen der Dublin-Verordnung in andere EU-Staaten. Nur drei Personen wurden direkt nach Syrien abgeschoben. Hinzu kommen 805 Syrer, die 2025 freiwillig ausreisten.

Bis zu 1.000 Euro Bargeld als Starthilfe

Das Rückkehrprogramm ist klar strukturiert. Die offizielle Seite „returnfromaustria.at“ informiert auf Deutsch, Englisch und Arabisch: „Sie erhalten bis zu € 1.000 Bargeld als Unterstützung für Ihren neuen Start. Die Rückkehr-Beratung unterstützt Sie bei allen notwendigen Schritten.“

Wie das Innenministerium gegenüber oe24 präzisiert, gilt: „Bis zu 1.000 Euro werden ausbezahlt, für Familien ist die Hilfe auf 3.000 Euro gedeckelt.“

Österreich als Vorreiter bei Abschiebungen

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) betont, dass Österreich 2025 als erster EU-Staat begonnen habe, Rückführungen nach Syrien wiederaufzunehmen. Tatsächlich war Österreich 2025 das einzige EU-Land, das drei Syrer zwangsweise in ihre Heimat brachte.

Die erste Abschiebung im Frühsommer 2025 sorgte allerdings für Wirbel: Der abgeschobene Mann war nach seiner Ankunft in Syrien nicht mehr auffindbar – was Kritik an der Sicherheit solcher Maßnahmen auslöste.

Regierung will härteren Kurs fahren

Jüngst gab es ein Arbeitstreffen in Damaskus unter Leitung von Arad Benkö, dem Nahost-Beauftragten von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS). Er wurde vom syrischen Innenminister Anas Khattab empfangen.

„Wir haben uns in der Regierung darauf verständigt, klare Kante bei allen zu zeigen, die kein Recht haben, in Österreich zu bleiben oder dieses Recht missbrauchen“, betonte Meinl-Reisinger laut Aussendung. Die Kooperation mit Syrien solle die nötigen Rahmenbedingungen für mehr Abschiebungen schaffen.

2025: Über 3.000 Syrer erhielten Bleiberecht

Die Statistik des Innenministeriums für 2025 zeigt: 1.115 Syrer erhielten erstinstanzlich Asyl, weitere 1.940 Syrer bekamen subsidiären Schutz. Von den insgesamt rund 3.000 Syrern, die legales Bleiberecht erhielten, war die Hälfte weiblich.

Momentan stellen Syrer die größte Gruppe von Asylwerbern in Österreich dar. Gleichzeitig wurden gegenüber 9.547 Syrern Aberkennungsverfahren eingeleitet – sie drohen ihren Asylstatus als anerkannter Flüchtling zu verlieren.

FPÖ fordert deutlich mehr Abschiebungen

„Allein im Jahr 2025 wurde trotz dieser geänderten Umstände im Heimatland weiteren 2.500 syrischen Staatsangehörigen Asyl gewährt“, kritisierte FPÖ-Abgeordneter Harald Schuh am Sonntag. Die FPÖ fordert deutlich mehr Abschiebungen.

Die Regierung betont, im Rahmen der Gesetze einen harten Kurs zu fahren und die Abschiebungen zu erhöhen. Allerdings zeigt die niedrige Quote freiwilliger Rückkehrer – weniger als ein Prozent seit dem Assad-Sturz – dass die Mehrheit der in Österreich lebenden Syrer trotz finanzieller Anreize keine Rückkehr plant.

Politische Situation in Syrien bleibt unsicher

Ende 2024 wurde Syriens Langzeitmachthaber Bashar al-Assad nach Jahren des brutalen Bürgerkriegs gestürzt. Seitdem regiert Ahmed al-Sharaa als Präsident. Der ehemalige Dschihadist gibt sich staatsmännisch, die internationale Rehabilitierung gelang ihm schnell.

Dennoch bleibt die Sicherheitslage in Syrien fragil. Die niedrige Rückkehrquote deutet darauf hin, dass viele Syrer die Stabilität ihres Heimatlandes skeptisch einschätzen – trotz der finanziellen Starthilfe von bis zu 1.000 Euro.

Credits: APA

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