Die ORF-Affäre dreht sich weiter. Nachdem Ex-Generaldirektor Roland Weißmann Strafanzeige eingebracht hat, ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien nun gegen die Mitarbeiterin, die seine Vorwürfe auslöste – und gegen ihren Anwalt. Verdacht: Erpressung.
Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungsverfahren
Die Causa Weißmann hat eine neue, brisante Wendung genommen. Wie heute.at und Der Standard berichteten, hat die Staatsanwaltschaft Wien Ermittlungen gegen jene 35-jährige ORF-Mitarbeiterin eingeleitet, die Ex-Generaldirektor Roland Weißmann der sexuellen Belästigung bezichtigt und seinen Rücktritt gefordert hatte. Auch gegen ihren Rechtsanwalt wurden Ermittlungen aufgenommen. Die Staatsanwaltschaftssprecherin Judith Ziska bestätigte das Verfahren gegenüber der Kronen Zeitung und der ZiB 2: „Wir haben sowohl gegen die Frau als auch ihren Anwalt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.“
Im Raum stehen laut heute.at der Verdacht der Erpressung sowie der missbräuchlichen Verwendung von Tonaufnahmen. Im Fall einer Verurteilung drohen bis zu fünf Jahre Haft. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Was Weißmann vorwirft – und was die Frau bestreitet
Der Hintergrund des Verdachts: Wie profil unter Berufung auf Weißmanns Sachverhaltsdarstellung berichtete, soll der Anwalt der Mitarbeiterin gegenüber Weißmanns Rechtsvertreter damit gedroht haben, belastendes Material an die Öffentlichkeit zu bringen, sollte Weißmann nicht den Forderungen nachkommen – konkret seinem Rücktritt als Generaldirektor und der Übernahme von Anwaltskosten. Weißmann und sein Anwalt Oliver Scherbaum sehen darin einen Erpressungsversuch.
Die Mitarbeiterin hatte seit Bekanntwerden der Causa wiederholt betont, es habe „nie eine Affäre“ gegeben und es sei zu keinem physischen Kontakt gekommen. Sie wertete Weißmanns juristische Schritte als „unangenehm durchsichtiges Ablenkungsmanöver.“ Ihre Anwaltskanzlei bezeichnete die Anzeige in oe24-Berichten als „SLAPP-Klage“ – also als strategische Klage zur Einschüchterung.
Weißmanns Anwalt: „Alles kommt auf den Tisch“
Weißmanns Rechtsvertreter Scherbaum zeigte sich nach der Bestätigung der Ermittlungen zuversichtlich. Wie heute.at berichtete, erklärte er: „Seit dem 4. März, als die unwahren Vorwürfe der sexuellen Belästigung über den ORF-Stiftungsrat an meinen Mandanten herangetragen wurden, sprachen wir davon, dass es sich aus unserer Sicht um einen gezielten Versuch handelte, Weißmann aus seiner Position zu entfernen. Wir sind zuversichtlich, dass nun wirklich alles auf den Tisch kommen wird.“ Weißmann selbst werde die Ermittlungen als „Anzeiger, Opfer und Hauptgeschädigter bestmöglich unterstützen.“
Strobl als Hintermann? – Vorwürfe bestritten
Ein brisantes Nebenkapitel: In Weißmanns Sachverhaltsdarstellung wird laut profil der ORF-Manager Pius Strobl als „Mastermind im Hintergrund“ genannt. Strobl liegt mit Weißmann seit 2022 im Streit, seitdem ihm dieser eine großzügige Zusatzpension gestrichen hatte. Die Mitarbeiterin arbeite in Strobls Bereich und werde auch von dessen Anwalt vertreten. Strobl wies alle entsprechenden Vermutungen kategorisch zurück.
Credits: APA

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