Ein Film über einen Vizekanzler, finanziert mit über einer halben Million Euro Steuergeld, verliert im Kino gegen einen Schleim-Kinderfilm. Das ist kein Zufall. Das ist ein Urteil.
Der Markt hat gesprochen – und der ist gnadenlos ehrlich
Man kann vieles manipulieren in der Politik. Umfragen interpretieren. Narrative setzen. Pressemitteilungen formulieren. Aber man kann nicht die Kinokasse lügen. Acht verkaufte Tickets im Votiv-Kino, zwei im De France, null in den Village Cinemas – und das in Wien, der roten Hochburg, wo die SPÖ seit fast einem Jahrhundert die Mehrheit hält. Wenn nicht einmal hier die eigene Klientel in die Kinosessel strömt, um ihren Parteichef auf der Leinwand zu bestaunen, dann ist das kein Kommunikationsproblem. Dann ist das ein Repräsentationsproblem.
Babler der Mobilisierer – wo ist seine Mobilisierung?
Andreas Babler ist mit einem Versprechen angetreten, das größer kaum sein könnte: Die SPÖ zurück zu ihren Wurzeln bringen. Arbeiterbewegung. Grassroots. Masse statt Elite. Ein Mann aus Traiskirchen, der die Partei des kleinen Mannes wieder zum kleinen Mann bringt.
Der Film zeigt ihn dabei, wie er gegen den eigenen Apparat kämpft. Das klingt sympathisch. Aber wer kämpft, ohne zu gewinnen, verliert irgendwann glaubhaft. Babler ist seit über einem Jahr Vizekanzler. Nicht mehr der Außenseiter, der gegen das Establishment antritt. Er ist das Establishment. Und das Establishment trägt keine Aura der Rebellion mehr – egal wie viele Goldrahmen mit Kreisky-Porträts man ins Bild rückt.
Das eigentliche Problem: Niemand weiß, was Babler will
Die Wahrheit ist unbequem, aber sie ist die einzige, die zählt: Andreas Babler ist, trotz Vizekanzlerschaft, für viele Österreicher eine politische Leerstelle. Was hat er in den vergangenen Monaten durchgesetzt? Die Bankenabgabe – das feiern die Roten. Eine Pensionsdämpfung, die sie selbst mitbeschlossen haben – das feiern die anderen. Eine Wartefrist bei der Sozialhilfe – das war eigentlich ein ÖVP-Thema. „Kraft durch Freude“ als ESC-Zitat. Ein Film mit 52 Online-Aufrufen.
Man kann einem Politiker vorwerfen, zu radikal zu sein. Man kann ihm vorwerfen, zu moderat zu sein. Aber das Schlimmste in der Politik ist, keinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Babler hinterlässt keinen.
Eine halbe Million Euro für einen Spiegel, den niemand sehen will
Die Förderung von 553.000 Euro Steuergeld ist dabei nicht das eigentliche Skandalon – österreichische Filmförderung finanziert jährlich Dutzende Projekte, die kaum jemand sieht. Das eigentliche Problem ist die Symbolik. In einem Land, in dem die Regierung gerade Pensionen dämpft, Familienleistungen einfriert und eine Wartefrist bei der Sozialhilfe einführt – in diesem Land wird mit öffentlichem Geld ein Werbefilm für einen Vizekanzler finanziert, der gegen einen Kinderfilm über Schleim verliert.
Das ist nicht nur eine Geschichte über einen schlechten Film. Das ist eine Geschichte über eine Partei, die ihren Auftraggeber aus dem Blick verloren hat. Die Bürger sind nicht ins Kino gegangen. Sie sind auch nicht zu den Urnen gegangen – jedenfalls nicht in ausreichender Zahl. Und die Kinokasse gibt die ehrlichste Bewertung von allen: Wer kein Publikum hat, hat keine Botschaft.
Was bleibt
Andreas Babler ist kein schlechter Mensch. Er ist ein Politiker mit echten Überzeugungen in einem politischen Umfeld, das Überzeugungen bestraft und Pragmatismus belohnt. Aber der Abstand zwischen dem Anspruch und der Wirklichkeit ist, nach diesem Film, nach diesen Kinozahlen, nach dieser Woche, so groß wie selten.
Die SPÖ sollte weniger Dokumentarfilme über sich selbst finanzieren. Und mehr zuhören, warum die Säle leer bleiben.
Credits: APA

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