Wehrdienst: Entscheidung bis Sommer – Tanner drängt auf Konsens

Wehrdienst: Entscheidung bis Sommer – Tanner drängt auf Konsens

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Noch vor den Budgetgesprächen soll eine Entscheidung über die Verlängerung des Wehrdienstes fallen. Wie sie im Ö1-„Morgenjournal“ erklärte, sei der Bericht der Wehrdienstkommission der „Startschuss“ für die Verhandlungen. Doch was steckt hinter den Plänen?

„Österreich plus“: Das favorisierte Modell

Die Wehrdienstkommission, die von Tanner im Sommer 2025 eingesetzt wurde, hat drei Modelle ausgearbeitet. Favorisiert wird das Modell „Österreich plus“, das eine Verlängerung des Grundwehrdienstes von sechs auf acht Monate vorsieht. Zusätzlich sollen alle zwei Jahre verpflichtende Milizübungen im Umfang von 60 Tagen stattfinden. Auch der Zivildienst soll von neun auf zwölf Monate verlängert werden. Laut Generalmajor Erwin Hameseder, dem Vorsitzenden der Kommission, sei dies die praktikabelste und kosteneffizienteste Lösung.

Politische Uneinigkeit und verhaltene Reaktionen

Innerhalb der Koalition herrscht jedoch Uneinigkeit. Während Tanner auf einen breiten Konsens drängt, äußerten sich SPÖ und NEOS zurückhaltend. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim forderte eine fundierte Debatte, und NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn betonte die Notwendigkeit, alle Beteiligten einzubinden. Die Jugendorganisationen SJ und JUNOS lehnen eine Verlängerung der Wehrpflicht strikt ab.

Opposition und Expertenmeinungen

Die FPÖ begrüßt die Pläne als „überfälligen Schritt“, während die Grünen skeptisch, aber gesprächsbereit sind. Für die Verlängerung des Zivildienstes ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig, was die Zustimmung von FPÖ oder Grünen erfordert. Experten wie Hameseder betonen, dass ohne Anpassungen die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres gefährdet sei.

Ein Blick in die Zukunft

Die Kommission hat auch langfristige Modelle entwickelt, darunter eine geschlechtsneutrale Wehrpflicht nach skandinavischem Vorbild. Ob und wann diese umgesetzt werden, bleibt jedoch unklar. Tanner zeigt sich entschlossen: „Wer Frieden und Freiheit schützen will, muss den Mut haben, notwendige Maßnahmen zu ergreifen.“

Quellen: oe24.at, Die Presse, Nachrichten.at, Der Standard, bmlv.gv.at, Dolomitenstadt
Credits: APA

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