Wasserstopp in der Nacht: Pöggstall dreht den Hahn zu

Wasserstopp in der Nacht: Pöggstall dreht den Hahn zu

Trotz wochenlanger Sparappelle ist der Wasserverbrauch in der niederösterreichischen Marktgemeinde Pöggstall sogar noch gestiegen. Jetzt zieht die Gemeinde die Notbremse: Nächtliche Trinkwasserabschaltung.

Doppelter Verbrauch trotz Sparaufrufen

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und akuter Wasserengpässe schaltet Pöggstall ab sofort täglich von 22 bis 4 Uhr das Trinkwasser ab, wie die NÖN berichtet. Wie der ORF Niederösterreich mit konkreten Zahlen unterlegt, liegt der Wasserverbrauch in der Gemeinde derzeit tagsüber bei rund sechseinhalb Litern pro Sekunde – normal wären laut ORF zwischen vier und viereinhalb Liter. Ein spürbarer Rückgang sei laut Gemeinde erst gegen 22 Uhr bemerkbar. Bürgermeister Helmut Hahn (ÖVP) sieht den Grund klar in der aktuellen Hitzeperiode: Viele Menschen würden trotz wiederholter Aufrufe weiterhin ihre Gärten bewässern oder Pools nachfüllen, wie oe24 berichtet.

Selbst der Friedhof bekam die Konsequenzen zu spüren

Wie sehr die Lage bereits eskaliert ist, zeigt ein Detail aus dem ORF-Bericht: Die Gemeinde musste sogar die Trinkwasserleitung zum Friedhof abdrehen. 9.000 Liter Wasser, die am Montagfrüh zum Gießen dorthin gebracht worden waren, waren laut ORF bereits zu Mittag vollständig vergossen.

Wer betroffen ist

An die Gemeindewasserleitung sind rund 1.000 der insgesamt etwa 2.400 Einwohner Pöggstalls angeschlossen, wie der ORF berichtet. Der Großteil wird über sechs Wasserquellen in der Gemeinde versorgt, ein Teil über einen Tiefbrunnen, an dem auch mehrere Betriebe hängen. Schon seit Wochen sorgt die anhaltende Trockenheit im südlichen Waldviertel für Probleme: Bereits am 22. Juni hatte die Gemeinde laut NÖN das Befüllen von Pools, Autowaschen und Gartengießen „strengstens verboten“ und gewarnt: „Wer sich nicht daran hält, gefährdet bewusst die Wasserversorgung aller Haushalte und handelt rücksichtslos gegenüber der gesamten Gemeinde.“

Keine flächendeckende Krise – aber ein wachsendes Problem

Zur Einordnung: Eine generelle, niederösterreichweite Wasserknappheit besteht laut Martin Angelmaier, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Land Niederösterreich, derzeit nicht, wie die NÖN berichtet. Die Grundwasserspiegel sinken zwar, von einem flächendeckenden Engpass sei man aber weit entfernt. Auffällig sei aber der zuletzt gestiegene Wasserverbrauch, vor allem in den Abendstunden, was auf verstärkte Gartenbewässerung zurückzuführen sei. „Ich will niemandem verbieten, seinen Garten zu bewässern“, so Angelmaier laut NÖN, mahnt aber zu einem maßvollen Umgang. Auch im südlichen Wiener Becken, etwa in Wiener Neustadt, sinkt der Grundwasserspiegel derzeit um rund einen Zentimeter pro Tag. Sollte sich die Lage nicht ändern, könnten Anfang 2027 ähnlich niedrige Werte erreicht werden wie beim bisherigen Tiefststand im März 2023.

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