Im Iran steht das Unerwartete bevor: Die Hauptstadt Teheran, mit rund zehn Millionen Einwohnern, könnte schon in wenigen Wochen ohne Trinkwasser dastehen. Ein beunruhigender Zustand, den iranische Behörden ernst nehmen. Präsident Masoud Pezeshkian warnt sogar, dass bei ausbleibendem Regen eine Wasserrationierung unvermeidbar sei – und wenn es weiterhin trocken bleibt, müsse Teheran womöglich evakuiert werden. „Wenn es bis Ende November nicht regnet, müssen wir das Wasser rationieren. Und sollte es im Dezember immer noch keinen Regen geben, droht eine Evakuierung der Stadt“, so Pezeshkian laut Berichten von Al Jazeera und weiteren Medien.
Katastrophale Dürre und leere Reservoirs
Die Krise trifft nicht nur Teheran, sondern weite Teile des Landes. Die langanhaltende Dürre, die als die schlimmste seit Jahrzehnten gilt, hat Flüsse zum Versiegen, Stauseen zur nahezu vollständigen Austrocknung gebracht und selbst die Schneeberge blieben in diesem Jahr aus. Nach Angaben iranischer Wasserbetriebe sind die Stauseen, die Teheran versorgen, nur noch zu etwa 11 Prozent gefüllt. Insgesamt sind 19 große Stauseen im Iran akut vom Austrocknen bedroht. Die Situation zwingt die Regierung bereits jetzt zu radikalen Maßnahmen: Wasser wird in der Hauptstadt nachts abgeschaltet, und der Zugang zu Trinkwasser wird strikt rationiert (FRANCE24, Spiegel).
Ursachen: Klimawandel, Missmanagement und Übernutzung
Die Gründe für die dramatische Wasserknappheit sind vielfältig. Experten führen die primäre Ursache in den Auswirkungen des Klimawandels, der zu drastisch sinkenden Niederschlägen und höherer Verdunstung geführt hat. Gleichzeitig trägt ein jahrzehntelanges Missmanagement der Wasserressourcen dazu bei, dass Wasser nicht nachhaltig genutzt wird. In vielen Regionen Irans wird Grundwasser übermäßig abgepumpt; dazu kommen enorme Verluste durch ineffiziente Bewässerung in der Landwirtschaft und der hohe Wasserverbrauch bei einigen Industriezweigen und militärischen Projekten. Die unfaire Verteilung und fehlende Investitionen in die Erhaltung der Wasserinfrastruktur verschärfen die Lage zusätzlich (Wikipedia, DW).
Folgen: Gesellschaftliche Unruhen und Zukunftsangst
Die Existenzängste der Menschen schlagen sich bereits in Protesten nieder. In mehreren Städten und Provinzen kam es zu Demonstrationen gegen die prekäre Versorgungslage. Wassermangel geht hier schnell mit Stromausfällen und weiteren Einschränkungen im Alltag einher. Die UN-Sonderberichterstatterin Mai Sato hat in einem Bericht für die UN-Generalversammlung die Situation im Iran als nationale Katastrophe eingestuft, die dringend internationale Aufmerksamkeit erfordere (Tagesschau, Swissinfo).
Wird die Krise das Land verändern?
Während der Iran weltweit für sein politisches Klima bekannt ist, wird jetzt auch die Wasserkrise zur Zerreißprobe. Experten warnen, dass ohne massive Reformen und internationale Unterstützung nicht nur die Wasserversorgung kollabiert, sondern das ganze Land destabilisiert wird. Für die Bewohner Teherans steht die bedrohliche Frage im Raum: Wie lange kann eine Metropole inmitten der Wüste überhaupt noch existieren, wenn das Wasser ausgeht? Die kommenden Wochen könnten entscheidend sein.
Credits: APA
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