Seit Jahresbeginn gilt in Österreich der Einwegpfand – 25 Cent pro Flasche oder Dose. Doch was passiert eigentlich hinter den dicken Mauern der Ministerien, wenn der Durst gelöscht ist? Verschwindet dort das Leergut auf mysteriöse Weise auf Kosten der Steuerzahler? Die FPÖ wollte es genau wissen und startete eine Anfrage-Serie an die Regierungsressorts. Das Ergebnis ist, wie oe24 berichtet, eine Mischung aus bürokratischer Pedanterie und kuriosen Überraschungen.
Das Finanzministerium macht sogar Gewinn
Man mag es kaum glauben, aber im Finanzministerium scheint man das Prinzip der Vermehrung perfektioniert zu haben – zumindest beim Leergut. Wie oe24 unter Berufung auf die Anfragebeantwortung schreibt, wurden dort im ersten Halbjahr 4.320 Flaschen bestellt. Der Clou: Zurückgegeben wurden satte 5.708 Stück!
Das Ministerium verzeichnete also rein rechnerisch ein Plus beim Pfand. Die trockene Erklärung der Beamten für dieses „Flaschen-Wunder“: Unterschiedliche Abrechnungszeiträume und Lagerbestände vom Jahreswechsel. Ein „Schwund“ ist hier also Fehlanzeige – eher eine wundersame Leergut-Vermehrung.
CSI Ballhausplatz: Verplombt und gescannt
Während man im Finanzressort Flaschen vermehrt, setzt man im Innenministerium auf Sicherheit wie im Hochtrakt. Hier wird nicht einfach nur gesammelt. Wie oe24 berichtet, geht man im Ressort von Gerhard Karner „knallhart“ vor: Die über 1.300 konsumierten Mineralwasserflaschen wurden in Säcke gepackt, verplombt (!) und sogar eingescannt, bevor sie abgeholt wurden. Erst danach gab es das Geld zurück. Sicher ist sicher.
Auch im Bundeskanzleramt herrscht Zucht und Ordnung. Das Servicepersonal ist laut dem Bericht angewiesen, penibel auf die Rückgabe zu achten. Die kleine Differenz von 1,8 Prozent zwischen Kauf und Rückgabe erklärt man auch hier mit zeitlichen Verzögerungen.
Bürokratie-Wahnsinn im Wirtschaftsressort
Besonders skurril wird es im Wirtschaftsministerium. Dort gibt es laut oe24 einen eigenen „Leitfaden für Barauszahlung von Rechnungen“. Und der hat es in sich: Wer als Bediensteter eine Rechnung vorlegt, bekommt den Pfandbetrag schlichtweg nicht erstattet. Es wird „lediglich der Betrag ohne Pfand ausbezahlt“, heißt es in der Beantwortung.
Das Wohnministerium hingegen glänzt mit einer Buchführung, die ihresgleichen sucht. Dort wurde laut dem Bericht akribisch jede einzelne Flasche dokumentiert: genau 842 Glasflaschen (0,33l), 240 Fruchtsäfte und 24 Plastikflaschen. Die Beamten wurden zudem extra darauf hingewiesen, Pfandflaschen ja ordnungsgemäß an die „Wirtschaftsstelle“ zu retournieren.
Red-Bull-Liebe beim Heer
Einen interessanten Einblick in die Trinkgewohnheiten gibt es aus dem Verteidigungsministerium. Dort scheint man Flügel zu brauchen: 264 Dosen Red Bull wurden im ersten Halbjahr geordert, wie oe24 aufdeckt.
Für die Truppe gilt übrigens eine Sonderregelung: Damit sich die Soldaten bei Übungen und im Einsatz nicht mit Pfandbons herumschlagen müssen, stellt das Bundesheer die Versorgung laut Anfragebeantwortung „ohne Einkauf von pfandpflichtigen Produkten sicher“.
Das Fazit dieser Staats-Posse: Die Angst vor dem „Pfandschwund“ hat die österreichische Bürokratie voll im Griff – von verplombten Säcken bis zur Pfand-Verweigerung per Leitfaden.
Neueste Kommentare