Waffenruhe im Libanon: Teherans stiller Triumph über Israel und Washington

Waffenruhe im Libanon: Teherans stiller Triumph über Israel und Washington

Der Iran steckt mitten im Krieg — und geht doch als Gewinner aus einer entscheidenden Runde hervor. Eine von Teheran erzwungene Waffenruhe im Libanon und günstige Atomverhandlungen zeigen: Die Mullahs sind taktisch weit geschickter als ihr Ruf vermuten lässt.

USA bremsen Israel aus — auf Teheraner Betreiben

Am 17. April 2026 trat eine zehntägige Waffenruhe im Libanon in Kraft — ausgehandelt von US-Außenminister Marco Rubio, erzwungen aber auf Druck Teherans. Wie Euronews berichtet, erklärte ein Vertreter der Hisbollah explizit, die Waffenruhe sei das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Iran und Washington, bei denen Teheran darauf bestanden habe, den Libanon einzubeziehen. Der Iran hatte klargemacht: Wer die Straße von Hormuz offen halten will, muss die Angriffe auf seinen Verbündeten Hisbollah stoppen.

Wie tachles.ch berichtet, hatten Trump und sein Sondergesandter Steve Witkoff unmittelbaren Druck auf Israels Premierminister Benjamin Netanjahu ausgeübt, die Angriffe im Libanon zu reduzieren. Netanjahu ließ sich schließlich auf die Waffenruhe ein — behielt sich aber explizit vor, die israelischen Truppen im besetzten Südlibanon zu behalten. Wie Weltwoche-Autor Wolfgang Koydl anmerkt, ist das Ausmaß dieses US-amerikanischen Drucks auf Israel historisch: Das letzte vergleichbare Ausbremsen Israels durch Washington war 1956 während der Sueskrise.

Das Hormuz-Druckmittel: Irans stärkste Waffe

Der Hebel Teherans ist die Straße von Hormuz. Laut Wikipedia-Kriegschronik hatte Iran bereits früher gedroht, die Meerenge wieder zu schließen, sobald Israel Waffenstillstandsbedingungen verletze — und damit sofort reagiert, als israelische Angriffe im Libanon weitergeführt wurden. Das Funktioniert. Denn durch die Meerenge fließt rund ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggasverkehrs — ein Nadelöhr, das die Weltwirtschaft in Angst versetzt.

Atomverhandlungen: Weniger als der JCPOA, aber besser als Krieg?

Auch auf der nuklearen Verhandlungsebene zeigt sich ein Muster, das Teheran nicht schlecht aussehen lässt. Trump spricht davon, dass der Iran bereit sei, für zwanzig Jahre auf eine Atomwaffe zu verzichten — ein Angebot, das er als Erfolg verkauft. Wie die Weltwoche und t-online analysieren, wäre das allerdings weniger als das, was im JCPOA vereinbart war — jenem Abkommen, das Trump 2018 selbst aufgekündigt hatte, weil es ihm zu wenig war.

Wie die Bundeszentrale für politische Bildung festhält, hatte der JCPOA unter anderem ein grundsätzliches iranisches Bekenntnis enthalten, nie Atomwaffen anstreben, entwickeln oder erwerben zu wollen — unbefristet. Ein zeitlich begrenzter Verzicht auf zwanzig Jahre wäre demnach ein Rückschritt gegenüber dem einstigen Vertragstext.

Wer regiert den Iran eigentlich?

Eine offene Frage bleibt: Trump spricht hartnäckig von Irans „neuer Regierung“. Doch wie die Weltwoche festhält, können weder er noch seine Berater erklären, warum in der Öffentlichkeit und bei den Verhandlungen ausschließlich bekannte Vertreter des bisherigen Regimes auftreten. Die Machtfrage in Teheran — nach dem Tod des Obersten Führers Khamenei zu Kriegsbeginn am 28. Februar 2026 — ist weiterhin ungeklärt. Wer auch immer gerade die Fäden zieht: Er hat in wenigen Wochen Israel zu einer Waffenruhe bewegt, Washington zum Hebeldiplomaten gemacht und Hormuz als geopolitische Waffe etabliert.

Credits: APA

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