VW zahlt 1.250 Euro Prämie – obwohl der Gewinn um fast die Hälfte eingebrochen ist

VW zahlt 1.250 Euro Prämie – obwohl der Gewinn um fast die Hälfte eingebrochen ist

Ursprünglich war die Mai-Zahlung komplett gestrichen. Dann drängte der Betriebsrat – und bekam fast alles, was er wollte.

Kehrtwende beim Konzernumbau

Eigentlich war die Sache klar: Im Rahmen des Sparprogramms hatten sich Volkswagen-Vorstand und Gesamtbetriebsrat Ende 2024 darauf geeinigt, dass die reguläre Ergebnisbeteiligung im Mai entfällt. Doch wie Handelsblatt und Tagesspiegel übereinstimmend berichten, verkündeten Unternehmen und Arbeitnehmerseite am 19. März 2026 eine gemeinsame Kehrtwende: Tarifbeschäftigte der Kernmarke Volkswagen erhalten im Mai doch eine Sonderzahlung – 1.250 Euro brutto als Anerkennungsprämie. Sie wird zusätzlich zur regulären Vereinbarung ausgezahlt.

Das kommt überraschend. Wie Business Insider berichtet, hatte VW erst kurz zuvor einen Gewinneinbruch von 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro gemeldet.

Harte Verhandlungen, klarer Betriebsratssieg

Hinter dem Ergebnis stecken wochenlange Verhandlungen. Wie Handelsblatt und produktion.de aus dem Umfeld des Gesamtbetriebsrats berichten, forderte die Arbeitnehmerseite zunächst 1.500 Euro pro Beschäftigtem, der Vorstand wollte maximal 500 Euro zahlen. Am Ende setzte sich Betriebsratschefin Daniela Cavallo mit 1.250 Euro durch – deutlich näher an der Belegschaftsposition als am Managementangebot. Cavallo begründete die Zahlung laut Tagesspiegel damit, dass der hohe Einsatz der Belegschaft zu einem guten Ergebnis der Marke Volkswagen geführt habe. Es sei „nur folgerichtig und fair, dass nun alle Beschäftigtengruppen profitieren.“

Wie der Tagesspiegel weiter berichtet, war auch der Druck durch Vorstandsboni ein Auslöser: Nachdem bekannt wurde, dass VW-Führungskräfte laut Handelsblatt insgesamt rund 13,6 Millionen Euro an Jahresboni erhalten sollten, hatte der Gesamtbetriebsrat bereits im Februar eine Prämie auch für die Mitarbeiter gefordert. Die Prämie wird mit dem Mai-Entgelt ausgezahlt und richtet sich an Tarifbeschäftigte an den sechs westdeutschen Standorten sowie den drei sächsischen Werken, die seit Jänner unter den VW-Haustarif fallen.

VW-Markenchef verteidigt die Entscheidung

Auch VW-Markenchef Thomas Schäfer stellte sich hinter die Zahlung. Wie Autohaus.de aus einer offiziellen Mitteilung zitiert, betonte Schäfer, die Belegschaft arbeite in einer schwierigen Zeit der Restrukturierung „mit großem Fachwissen, viel Leidenschaft und Teamgeist“ an der Zukunft des Konzerns.

Vorstandsvergütung sinkt, bleibt aber hoch

Auch der Konzernvorstand profitiert weiterhin von Boni – wenn auch auf niedrigerem Niveau. Wie exxpress berichtet, erhielt Konzernchef Oliver Blume für das Jahr 2025 insgesamt rund sieben Millionen Euro – einschließlich Alterszusagen. Das bedeutet laut exxpress einen Rückgang von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als insbesondere Porsche noch deutlich besser abschnitt. Wie sich Prämien und Vorstandsvergütung für das laufende Jahr 2026 entwickeln, liegt beim Aufsichtsrat und bleibt vorerst offen.


Quellen:

  • exxpress.at: „Überraschende Wendung: VW zahlt Mitarbeitern Prämie – trotz Sparkurs“ (23.03.2026)
  • Handelsblatt: „VW zahlt Mitarbeitern trotz des Sparkurses 1250 Euro Prämie“ (19.03.2026)
  • Tagesspiegel: „Nach Vorstandsboni auch Prämie für Belegschaft: VW zahlt Tarifbeschäftigten trotz Sparkurs 1250 Euro extra“ (19.03.2026)
  • Business Insider DE: „VW zahlt plötzlich 1250 Euro Prämie – trotz 44 Prozent Gewinneinbruch“ (19.03.2026)
  • produktion.de: „VW Bonus 2026: 1.250 Euro für Beschäftigte trotz Krise“ (19.03.2026)
  • autohaus.de: „1.250 Euro im Mai: Volkswagen zahlt Mitarbeitern Prämie“ (19.03.2026)

Credits: APA

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