Der Krieg zwischen den USA und dem Iran erreicht eine neue Eskalationsstufe. Teheran hat am Samstag offiziell erklärt, sämtliche Verpflichtungen aus dem erst im Juni geschlossenen Übergangsabkommen mit Washington auszusetzen. Gleichzeitig weiten sich die Angriffe auf zivile Infrastruktur in der gesamten Golfregion aus.
Die offizielle Ankündigung aus Teheran
„Die USA haben alle ihre Verpflichtungen im Rahmen des Islamabad-Abkommens verletzt und außer Kraft gesetzt“, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Fars den stellvertretenden Außenminister Kazem Gharibabadi. „Wir haben daher ebenfalls unsere Verpflichtungen ausgesetzt und setzen sie nicht mehr um – wir sind mit der Verteidigung unseres Landes beschäftigt.“ Gharibabadi, der auch das iranische Verhandlungsteam bei den technischen Gesprächen leitete, ließ damit erstmals unmissverständlich erkennen, dass sich Teheran nicht mehr an das von Pakistan vermittelte Abkommen gebunden fühlt.
Was das im Juni geschlossene Abkommen vorsah
Die USA und der Iran hatten sich Mitte Juni auf ein 14-Punkte-Rahmenabkommen geeinigt, das eigentlich den Weg zu einem dauerhaften Kriegsende ebnen sollte. Es sah unter anderem die Wiederöffnung der Straße von Hormuz, die Aufhebung der amerikanischen Seeblockade sowie eine stufenweise Deeskalation nach Wochen der Kämpfe vor. Vereinbart worden war zudem, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Bereits seit Anfang April hatte zusätzlich eine separate Waffenruhe gegolten – Anfang Juli eskalierte der Konflikt aber erneut, seit einer Woche gilt der Waffenstillstand als endgültig kollabiert.
Kuwait besonders schwer getroffen
Die verheerendsten Folgen der jüngsten Angriffswelle wurden aus Kuwait gemeldet: Iranische Geschosse trafen sowohl eine Ölanlage als auch eine Meerwasserentsalzungsanlage, mehrere Menschen wurden verletzt, Brände brachen aus. Wie die kuwaitische Nachrichtenagentur laut The National berichtet, mussten in der Folge mehrere Stromerzeugungseinheiten abgeschaltet werden – bereits der zweite derartige Angriff auf eine Wasser- und Stromanlage binnen zwei Tagen. Kuwait, das zu 90 Prozent auf entsalztes Wasser angewiesen ist, sperrte daraufhin kurzzeitig seinen Luftraum, auch der Flugbetrieb am internationalen Flughafen wurde zeitweise ausgesetzt.
Angespannte Lage in der gesamten Region
Auch in weiteren Nachbarstaaten war die Anspannung am Samstag enorm. Wie Al Jazeera berichtet, fing der Irak Drohnen über Erbil ab, Jordanien neutralisierte iranische Raketen, in Saudi-Arabien und Bahrain heulten wiederholt die Luftalarmsirenen. Die iranischen Revolutionsgarden beanspruchten für sich, Angriffe auf US-Militärbasen in Kuwait, Bahrain und Jordanien durchgeführt zu haben, und warnten Länder, die US-Truppen beherbergen, vor einer entsprechenden Reaktion. Diese Angaben ließen sich unabhängig nicht überprüfen.
Der menschliche Preis des Konflikts
Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden durch die US-Angriffe seit dem 27. Juni bereits mindestens 50 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt, darunter laut Ministeriumssprecher Hossein Kermanpour auch fünf Frauen und zwei Kinder. Auf US-amerikanischer Seite meldete das Militär seit Montag 13 weitere verwundete Soldaten – die Gesamtzahl seit Kriegsbeginn beläuft sich damit laut oe24.at auf 14 Tote und 427 Verletzte auf US-Seite.
Kampf um eine der wichtigsten Ölrouten der Welt
Im Zentrum des militärischen Konflikts steht zunehmend die Straße von Hormuz, eine der bedeutendsten Routen für den globalen Ölhandel, durch die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen verschifft wird. Seit Kriegsausbruch nach US-amerikanischen und israelischen Angriffen Ende Februar hat der Iran die Passage für die Schifffahrt faktisch blockiert, was den Ölpreis zuletzt auf über 86 US-Dollar pro Barrel trieb. US-Präsident Donald Trump drohte bereits mit weiteren Angriffen auf Kraftwerke und Brücken im Iran, um das Land zum Einlenken zu zwingen, und verhängte zudem erneut eine Seeblockade gegen iranische Häfen.
Iran: „Wir haben keinen Krieg gesucht“
Auch der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, meldete sich am Samstag zu Wort und warf Washington vor, in der vergangenen Woche jeden Aspekt des Abkommens verletzt zu haben. Der Iran habe keinen Krieg gesucht und verteidige sich lediglich gegen einen „aufgezwungenen“ Krieg, so Baghaei laut Al Jazeera. Gharibabadi selbst ließ zumindest eine kleine diplomatische Tür offen: Sollten die USA vernünftig handeln, sollten sie Alternativen zum Krieg verfolgen, erklärte er im iranischen Staatsfernsehen.
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