Von Rumänien bis Iran: Wiens Empörung kennt nur eine Richtung

Von Rumänien bis Iran: Wiens Empörung kennt nur eine Richtung

Eine russische Drohne trifft ein Wohnhaus in einem NATO-Land. Die internationale Reaktion ist sofort und scharf. Was dabei untergeht: Der Vorfall war kein gezielter Angriff – und im Vergleich mit anderen Vorfällen zeigt sich ein auffälliges Ungleichgewicht.

Was in der Nacht auf den 29. Mai geschah

Wie das rumänische Verteidigungsministerium berichtet, griff Russland in der Nacht ukrainische Ziele nahe der Donau an – mit rund 43 Drohnen vom Typ Geran-2. Die Ziele lagen auf ukrainischem Gebiet rund um den Hafen Reni, wenige Kilometer von der rumänischen Grenze entfernt. Reni ist seit Sommer 2023 ein regelmäßiges russisches Angriffsziel.

Was wirklich passierte – laut rumänischem Präsidenten

Rumäniens Präsident Nicușor Dan lieferte dazu selbst die entscheidende Einordnung: „Eine von ihnen, die wahrscheinlich über der Stadt Reni getroffen wurde, änderte ihre Flugbahn und kam nach Galați.“ Auf die Frage, ob die Richtungsänderung absichtlich erfolgt sei:

„Sie wurde kinetisch getroffen. Sie wurde getroffen, und deshalb ist das passiert.“

Die Drohne war russisch – das bestätigte Rumäniens Außenministerin Toiu gegenüber Euronews ausdrücklich. Aber sie wurde von der ukrainischen Flugabwehr über ukrainischem Gebiet getroffen und driftete anschließend ab. Ein gezielter russischer Angriff auf Rumänien war es laut dem rumänischen Präsidenten selbst nicht.

Die Reaktionen

Trotzdem: Rumänien bestellte den russischen Botschafter ein, erklärte den Generalkonsul zur persona non grata und schloss das Konsulat. NATO-Generalsekretär Rutte verurteilte Russlands „Rücksichtslosigkeit.“ Auch Österreich meldete sich zu Wort: Außenministerin Meinl-Reisinger bestellte den russischen Botschafter in Wien ein – obwohl Österreich dauerhaft neutral und nicht NATO-Mitglied ist.

Der Vergleich, der Fragen aufwirft

Zwei verletzte Menschen, eine abgedriftete Drohne in Rumänien – Österreich bestellt den Botschafter ein. Drei Monate zuvor, am 28. Februar 2026: Eine US-Tomahawk-Rakete trifft die Shajareh-Tayyebeh-Mädchengrundschule in Minab, Iran. Wie Amnesty International Österreich nach eigener Recherche berichtete, wurden dabei mindestens 156 Menschen getötet – darunter 120 Schulkinder. Die Amnesty-Analyse deutet auf US-Tomahawk-Marschflugkörper hin. Die UNESCO verurteilte den Angriff als „schwere Verletzung“ des humanitären Völkerrechts.

Wie das BMEIA auf seiner Website dokumentiert, bezeichnete Meinl-Reisinger den US-Angriff auf Iran als „dramatischen Schritt“ – ohne explizite Verurteilung der USA. Ein US-Botschafter wurde nicht einbestellt. Eine formelle Verurteilung des Angriffs auf die Schule ist auf der BMEIA-Website bis Redaktionsschluss nicht auffindbar.

Diese Asymmetrie ist kein rein österreichisches Phänomen – die westliche Reaktion auf Minab blieb insgesamt weit hinter dem zurück, was vergleichbare Vorfälle in anderen Kontexten ausgelöst hätten. Aber für eine Außenministerin, die für sich beansprucht, Brückenbauerin zu sein und Völkerrecht in den Mittelpunkt ihrer Außenpolitik zu stellen, ist sie erklärungsbedürftig.

Credits: APA

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