Der seit kurzem eskalierte Krieg der USA und Israels gegen den Iran sorgt international für weitreichende Verunsicherung – politisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch. Wie der ORF berichtet, ist noch völlig offen, wie lange der Konflikt dauern wird und wie ein möglicher Frieden aussehen könnte. Gleichzeitig zeichnen sich bereits jetzt Konsequenzen für Staaten in Nahost, Europa, Asien und darüber hinaus ab.
Iran steht vor ungewisser Zukunft
Analysen gehen davon aus, dass ein Sturz des seit 1979 bestehenden iranischen Regimes zu einer langanhaltenden Phase der Instabilität führen könnte. Ohne eine organisierte Oppositionsbewegung wäre ein Bürgerkriegs-Szenario, ähnlich dem in Syrien, denkbar – ein Land mit rund 90 Millionen Einwohnern und ethnisch sowie religiös vielfältiger Bevölkerung droht so in jahrelange Unsicherheit zu fallen. Bereits die Niederschlagung der Proteste im Januar gilt als eine der brutalsten Maßnahmen der Führung, mit Schätzungen von bis zu 30.000 Toten.
Ein widerstandsfähiges Regime würde nach Einschätzung von Expertinnen und Experten zunächst auf innenpolitische Stabilisierung setzen und militärische Abschreckung intensivieren – ein vollständiges Aufgeben des Atomprogramms scheint in diesem Kontext höchst unwahrscheinlich.
Israel stärkt Position, aber mit Risiken
Für Israel gilt der Krieg kurzfristig als strategischer Erfolg. Die unmittelbare Bedrohung durch iranische Angriffe sei für Jahre gebannt und auch die militärischen Kapazitäten verbündeter Gruppen wie Hisbollah und Hamas seien geschwächt worden. Dieser Umstand könnte auch innenpolitisch Wirkung zeigen: Angesichts bevorstehender Wahlen könnte Regierungschef Benjamin Netanjahu den Konflikt politisch nutzen.
Die Tötung des höchsten iranischen Führers, Ajatollah Ali Chamenei, wird jedoch international als zusätzliches Sicherheitsrisiko bewertet – insbesondere in der islamischen Welt, die Israels Vorgehen kritisch sieht.
Golfstaaten zwischen Wirtschaftsinteresse und Sicherheitsdruck
Die Golfstaaten stehen vor einem Dilemma: Sie haben in den letzten Jahren hohe Summen investiert, um sich als attraktive Reise- und Wirtschaftsstandorte zu etablieren. Doch iranische Raketenangriffe gefährden diese Position. Während ein Regimewechsel im Iran von manchen Ländern geopolitisch begrüßt würde, wären bürgerkriegsähnliche Zustände und ein Machtvakuum die weitaus schlimmsten Szenarien – besonders für die Sicherheit der Ölversorgung und regionale Stabilität.
Europa: Abwartende Haltung mit Sorge um Wirtschaft
Auch Europa beobachtet die Lage mit wachsender Besorgnis. Ein Zusammenbruch der iranischen Zentralgewalt könnte massive Fluchtbewegungen und eine Zunahme von Terrorangriffen auf europäischem Boden auslösen. Gleichzeitig drohen bestehende wirtschaftliche Erholung und Energiepreise unter dem Konflikt zu leiden, was politische Auswirkungen bei kommenden Wahlen haben könnte. Einige europäische Staaten zeigen deshalb eine abwartende Haltung, um einen direkten Streit mit den USA zu vermeiden.
USA und China: Geopolitische Signale
In den USA stehen im Herbst wichtige Midterm-Wahlen an. Präsident Donald Trump hat den militärischen Einsatz ohne Kongressbeteiligung geführt, was ein hohes politisches Risiko darstellt – insbesondere wenn Energiepreise steigen und die öffentliche Meinung sich gegen den Krieg wendet.
Gleichzeitig nutzen Beobachter den Konflikt, um auf Pekings Rolle zu blicken: Laut dem Economist will Trump mit dem militärischen Schlag auch Stärke demonstrieren – ein Signal vor allem an China angesichts möglicher Spannungen um Taiwan. Der Konflikt schwächt Pekings Position als strategischen Verbündeten in anderen Regionen – etwa Afrika – nach Einschätzung vieler Analysten.
Völkerrecht unter Druck
Ein weiterer zentraler Aspekt der Diskussion ist die Frage nach dem Völkerrecht. Nach Aussagen des renommierten Völkerrechtlers Manfred Nowak verletzen die Angriffe der USA und Israels nach der klassischen Interpretation das Gewaltverbot der UN-Charta. Aus völkerrechtlicher Sicht wäre ein Präventivschlag nur dann gerechtfertigt, wenn konkrete Truppenverschiebungen unmittelbar bevorstünden, was in diesem Fall nicht eindeutig belegt ist.
Quellen
• ORF.at: „Von Dubai über Brüssel bis Peking: Was der Krieg gegen den Iran bedeutet“, 3. März 2026 – Analyse internationaler Auswirkungen des Konflikts.
Credits: APA
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