Von der Leyens fragwürdiger Trump-Deal: Schönfärberei oder notwendiges Übel?

Von der Leyens fragwürdiger Trump-Deal: Schönfärberei oder notwendiges Übel?

Im Gastbeitrag von Ursula von der Leyen in der FAZ verteidigt die EU-Kommissionspräsidentin das jüngste Handelsabkommen mit Donald Trump als „starken, wenn auch nicht perfekten Deal“. Doch wie stark ist er wirklich?

Die 15-Prozent-Zollgrenze – Vorteil oder Nachteil?

Von der Leyen hebt besonders hervor, dass für die meisten EU-Produkte eine „klare Linie bei 15 Prozent“ als Zollobergrenze vereinbart wurde. Doch dieser Zollsatz stellt im Vergleich zum bisherigen Niveau eine deutliche Mehrbelastung für europäische Unternehmen und Verbraucher dar. Während die Kommissionspräsidentin argumentiert, dass die EU mit diesem Pauschalsatz im Vorteil sei, bleibt festzuhalten: 15 Prozent Zoll sind im internationalen Handel ein spürbares Hindernis. Auch wenn andere Handelspartner der USA zum Teil höhere Aufschläge akzeptieren mussten, bedeutet die jetzige Regelung für viele Branchen eine Herausforderung.

Vergeltungszölle und die Perspektive der EU

Von der Leyen betont, dass Vergeltungszölle europäischen Beschäftigten, Verbrauchern und der Industrie schaden würden. Aus ihrer Sicht war es daher zielführender, auf Eskalation zu verzichten und ein Mindestmaß an Stabilität zu wahren. Fest steht jedoch: Die europäischen Akteure sehen sich nun mit einem erhöhten Zollregime der USA konfrontiert. Ob der Verzicht auf Gegenmaßnahmen langfristig die bessere Strategie ist, bleibt offen und sollte weiterhin differenziert diskutiert werden.

Diversifizierung der Handelsbeziehungen

Im Gastbeitrag verweist von der Leyen mehrfach auf die Bemühungen Europas, seine Handelsbeziehungen in die Breite zu steuern – etwa mit Abkommen mit Mexiko, Mercosur oder dem Vereinigten Königreich. Diese Diversifizierungsstrategie wird als wichtiger Baustein präsentiert, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Allerdings können diese Initiativen die wirtschaftliche Bedeutung und die Abhängigkeit vom US-Markt kurzfristig kaum vollständig ausgleichen.

Der Fokus auf den Binnenmarkt

Die Kommissionspräsidentin verweist darauf, dass die Vollendung des europäischen Binnenmarktes ein zentrales Ziel sei. Sie zitiert Mario Draghi mit dem Hinweis, dass interne Hürden für das Wachstum der EU ebenso problematisch seien wie äußere Handelsbarrieren. Während dieser Ansatz langfristig die Wettbewerbsfähigkeit stärken kann, ändert er wenig an den sofortigen Auswirkungen des neuen US-Zollregimes.

Stabilität vs. Chancenverlust

Von der Leyens Hauptargument für den Deal ist die Sicherung von Stabilität und Berechenbarkeit in einer angespannten geopolitischen Lage. Die Frage bleibt jedoch, zu welchem Preis diese Stabilität erkauft wurde. Kritiker sehen die Gefahr, dass Europa durch die Zustimmung zu den höheren Zollsätzen und den Verzicht auf eigene Gegenmaßnahmen an wirtschaftlichem Einfluss verliert und die USA zu weiteren Forderungen ermutigt werden könnten

Quelle: Gastbeitrag von Ursula von der Leyen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2025

Quelle: Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeine
Credits: APA

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