Da war dieses Klimawandel-Thema dann doch nicht so wichtig: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat im Jahr 2024 insgesamt 16 Flüge mit privaten Charterflugzeugen unternommen. Besonders frech: Fünf der Flüge gingen von Brüssel nach Straßburg – für eine Entfernung von je 430 Kilometern.
Die EU-Kommission musste nun auf eine parlamentarische Anfrage des deutschen Europaabgeordneten Martin Schirdewan (Die Linke) die Flug-Details der EU-Kommissionspräsidentin veröffentlichen.
Von den 16 Flügen im Jahr 2024 führten allein fünf nach Straßburg, darunter mindestens ein Kurzstreckenflug von Brüssel – eine Route, die in rund vier bis fünf Stunden per Zug zu bewältigen wäre. Laut Angaben des privaten Flugdienstleisters Aeroaffaires dauert der Flug nur eine Stunde.
Bereits 2023 war von der Leyen dafür kritisiert worden, für diese Strecke mehrfach Privatjets genutzt zu haben – trotz vorhandener Hochgeschwindigkeitsverbindungen mit der Bahn.
Ein Sprecher der Kommission rechtfertigte den Einsatz von Privatjets mit „logistischen Zwängen, Zeitdruck oder Sicherheitsbedenken“. Von der Leyen sei „eine vollwertige Teilnehmerin des Europäischen Rates, der G7 und G20“ und werde regelmäßig zu hochrangigen internationalen Veranstaltungen wie der UN-Generalversammlung eingeladen. Ihre Arbeitsbelastung sei mit jener eines Staats- oder Regierungschefs vergleichbar.
Man bemühe sich jedoch, „so oft wie möglich kommerzielle Flüge und öffentliche Verkehrsmittel“ zu nutzen, betonte der Sprecher.
Details zu den Gesamtkosten der Flugreisen nannte die Kommission nicht. Diese seien laut Sprecher in den „Transparenzberichten der Präsidentin“ einsehbar. Aus den Angaben geht hervor, dass von der Leyen meist von 3 bis 39 Mitarbeitern begleitet wird.
Von der Leyens Reise zur Friedenskonferenz: 14.110 Euro pro Person an Flugkosten
Besonders teuer war eine mehrtägige Reise im Juni, die Paris, den G7-Gipfel im italienischen Borgo Egnazia sowie die Ukraine-Friedenskonferenz in Luzern umfasste. Die Flugkosten beliefen sich dabei auf 14.110 Euro pro Person – wie viele Personen an dieser Reise teilnahmen, blieb offen.
Eine weitere größere Mission im September führte die Kommissionspräsidentin ins vom Hochwasser betroffene Wrocław (Polen) sowie weiter in die Ukraine. Hier betrugen die Kosten pro Person laut den veröffentlichten Zahlen 2981,25 Euro. Bei einer üblichen Gruppe von zehn Personen wären das knapp 30.000 Euro allein für diesen Trip.
Für Kritiker wie Schirdewan steht fest: „Wer Klimaschutz predigt, sollte ihn auch leben.“ Die neuerliche Veröffentlichung dürfte die Debatte über Nachhaltigkeit und Rechenschaftspflicht in höchsten EU-Kreisen weiter anheizen.
Credit: APA
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