Vollzeit arbeiten und trotzdem arm: Ein wachsendes Problem

Vollzeit arbeiten und trotzdem arm: Ein wachsendes Problem

Wie die Arbeiterkammer Oberösterreich berichtet, haben 54 Prozent der Befragten ein „gutes Auskommen“ mit ihrem Einkommen, während 40 Prozent angeben, dass es „gerade so reicht“. Für sechs Prozent der Beschäftigten reicht das Einkommen jedoch nicht aus, um die täglichen Lebenshaltungskosten zu decken. Besonders betroffen sind Hilfsarbeiter und Beschäftigte im Tourismus, wie FORESIGHT-Chef Christoph Hofinger bei der Präsentation der Studie erklärte. Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund sind ebenfalls überproportional betroffen.

Stress und gesundheitliche Folgen

Die Studie zeigt auch, dass finanzielle Engpässe oft mit erhöhtem Stress und schlechterer Gesundheit einhergehen. IFES-Chef Reinhard Raml betont, dass Menschen, die kaum mit ihrem Einkommen auskommen, häufiger unter Stress leiden und ihre Gesundheit schlechter bewerten. AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl fordert daher dringend Maßnahmen, um die Situation zu verbessern. Dazu gehören unter anderem eine stärkere Inflationsbekämpfung bei Energie, Mieten und Lebensmitteln sowie ein Rechtsanspruch auf Qualifizierung.

Materielle und soziale Benachteiligung auf dem Vormarsch

Die Problematik der Working Poor ist Teil eines größeren Trends: Laut der Statistik Austria waren 2024 rund 336.000 Menschen in Österreich erheblich materiell und sozial benachteiligt. Diese Menschen können sich grundlegende Dinge wie unerwartete Ausgaben, einen Urlaub oder eine angemessen warme Wohnung nicht leisten. Die Definition basiert auf der EU-Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC).

Politik ist gefordert

Die Ergebnisse des Arbeitsklimaindex sind ein Weckruf für die Politik. Wenn selbst Vollzeitarbeit keinen sicheren Lebensunterhalt mehr bietet, ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Die Arbeiterkammer fordert daher nicht nur Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung, sondern auch eine kostenlose Nachqualifizierung für Arbeitnehmer und eine qualitätsgesicherte Kompetenzfeststellung.

Die Zahlen zeigen: Armut trotz Arbeit ist längst keine Randerscheinung mehr, sondern ein strukturelles Problem, das Österreichs Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig belastet.

Quelle: oe24

Credits: APA

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