Am Freitag empfing Wladimir Putin den deutschen Ex-Kanzler Gerhard Schröder im Kreml. Was besprochen wurde, bleibt geheim. Was das Treffen bedeutet, ist alles andere als unklar.
„Ein gutes Gespräch“ — mehr nicht
Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow bestätigte das Treffen am Freitagabend gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax: „Ja, sie haben sich getroffen. Es war ein gutes Gespräch.“ Das Treffen sei „freundschaftlich“ verlaufen. Zum Inhalt wollte Uschakow nichts sagen — es habe sich um ein „Gespräch unter vier Augen“ gehandelt. Ob Verhandlungen zwischen Russland und der EU besprochen wurden, blieb offen.
Der Hintergrund: Putin will Schröder als Vermittler
Das Treffen kommt nicht aus dem Nichts. Bereits Anfang Mai hatte Putin Schröder öffentlich als seinen bevorzugten europäischen Vermittler im Ukraine-Konflikt benannt. „Persönlich bevorzuge ich den früheren Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Schröder“, sagte der Kreml-Chef laut heute.at. Das Treffen vom Freitag ist damit die logische Fortsetzung — ein Signal, dass Moskau den Kanal über den Altkanzler aktiv offenhält.
Wie news.de berichtet, wird in europäischen Hauptstädten spekuliert, dass sich langsam ein Zeitfenster für Gespräche mit Russland öffnen könnte — bei gleichzeitiger Betonung, dass schnelle Fortschritte nicht zu erwarten seien.
Europa lehnt Schröder als Vermittler ab
In Brüssel und Berlin wurde der Vorschlag bereits im Mai skeptisch aufgenommen — und das Treffen ändert daran nichts. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte laut heute.at explizit: Die Debatte über Vermittler sei „eine Falle, in die Russland uns locken will.“ Schröders Vergangenheit als Lobbyist für russische Staatsunternehmen mache klar, warum Putin ihn wolle.
Bundeskanzler Friedrich Merz stellte laut ZDF heute klar: „Wir Europäer entscheiden selbst, wer für uns spricht. Niemand anders.“ Er zweifelt zudem an der tatsächlichen Verhandlungsbereitschaft Russlands.
Wer Schröder wirklich ist — und warum das zählt
Gerhard Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Nach seinem Ausscheiden wurde er Aufsichtsratsvorsitzender des russischen Staatskonzerns Rosneft — ein Amt, das er nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 erst nach massivem Druck niederlegte. Schröder hat die russische Invasion kritisiert, Putin aber nie verurteilt und bezeichnet ihn weiter als persönlichen Freund.
Neben Schröder werden laut news.de auch andere Namen als mögliche Vermittler diskutiert — darunter Angela Merkel, Finnlands Präsident Alexander Stubb und Ex-EZB-Chef Mario Draghi. Alle haben gemeinsam, dass sie für Russland akzeptabler wären als aktive EU-Vertreter. Genau darin liegt das Problem aus westlicher Sicht.
Credits: Von Henning Schlottmann (User:H-stt) – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72741915
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