Ausgerechnet der Mann, der eigentlich für schlankere Strukturen und mehr Effizienz in der Verwaltung sorgen soll, hat beim aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex die undankbarste Position überhaupt übernommen. Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS) liegt nun an letzter Stelle aller abgefragten Politikerinnen und Politiker – noch hinter FPÖ-Chef Herbert Kickl.
Die Zahlen im Detail
Mit einem Vertrauenssaldo von minus 38 rangiert Schellhorn in der aktuellen Erhebung sogar hinter Kickl und Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ), die beide bei minus 36 liegen. Der Saldo errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Anteil jener Befragten, die einer Person vertrauen, und jenen, die ihr nicht vertrauen. Damit hat Schellhorn Kickl, der sonst regelmäßig das Schlusslicht der Rangliste bildet, in dieser Erhebung erstmals überholt – wenn auch in die falsche Richtung.
Kein neues Problem, aber eine neue Dimension
Schellhorns schwache Vertrauenswerte sind kein völlig überraschendes Phänomen: Bereits in früheren Erhebungen bewegte sich der Staatssekretär im unteren Bereich der Rangliste. Dass er nun aber sogar Kickl unterbietet, markiert einen neuen Tiefpunkt für den ehemaligen Gastronomen und langjährigen NEOS-Politiker, der seit Oktober 2024 wieder im Nationalrat sitzt und seit März 2025 als Staatssekretär für Deregulierung und Bürokratieabbau amtiert.
Ein Sommer voller Gegenwind
Der aktuelle Erhebungszeitraum – 13. bis 15. Juli – fiel in eine Phase, in der Schellhorn öffentlich mehrfach in der Kritik stand. Erst kürzlich hatte er seinen ersten Entbürokratisierungsbericht präsentiert, musste sich aber tags darauf in der ZIB2 unbequemen Fragen stellen, warum von 113 angekündigten Maßnahmen erst rund 43 tatsächlich umgesetzt wurden. Die FPÖ bezeichnete ihn in diesem Zusammenhang bereits als „unnötigsten Staatssekretär“. Nur wenige Tage später sorgte zudem ein öffentlicher Schlagabtausch mit Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner auf Instagram für zusätzliches Aufsehen, bei dem Schellhorn mit zahlreichen Tippfehlern in seiner eigenen Antwort auffiel.
Wer sonst noch verlor – und wer gewann
Im Gesamtbild der Erhebung zeigt sich, dass Schellhorn mit seinem Absturz nicht völlig allein dasteht: Auch NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger verzeichnete mit einem Minus von elf Punkten auf einen Saldo von minus 20 den stärksten Einbruch unter den Parteichefs, ausgelöst durch die Debatte um den Ausschluss von Parteimitgründer Veit Dengler. Für die NEOS insgesamt zeichnet der aktuelle Index damit ein durchwachsenes Bild: Sowohl die Parteispitze als auch ein prominentes Regierungsmitglied verzeichnen in derselben Erhebung historisch schwache Werte.
Zur Methodik
Für den Vertrauensindex Bundespolitik befragte das Meinungsforschungsinstitut OGM im Auftrag der APA zwischen 13. und 15. Juli insgesamt 1.006 repräsentativ ausgewählte wahlberechtigte Österreicherinnen und Österreicher ab 16 Jahren. Die maximale statistische Schwankungsbreite liegt bei 3,1 Prozentpunkten in beide Richtungen.
Credits: Paul Gruber, BKA
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