Das politische Österreich erlebt gerade eine Vertrauenskrise der besonderen Art. Während praktisch alle Spitzenpolitiker in den Umfragen Federn lassen, trotzt FPÖ-Chef Herbert Kickl dem allgemeinen Abwärtstrend – und baut seinen Vorsprung sogar weiter aus.
Der Ausreißer nach oben: Kickl gewinnt, wo andere verlieren
Woche für Woche erhebt die Lazarsfeld Gesellschaft im Auftrag von oe24 die Vertrauenswerte der heimischen Bundespolitiker. Wie oe24 berichtet, verloren in der aktuellsten Erhebung nahezu alle abgefragten Politiker zwei bis vier Punkte – quer durch alle Lager. Einzige Ausnahme: Herbert Kickl. Wie das Meinungsforschungsinstitut OGM in seinem Vertrauensindex für Jänner 2026 festhält, konnte der FPÖ-Chef zwar seinen langjährigen Stammplatz am Ende des Rankings verlassen und zwei Punkte zulegen – er steckt aber insgesamt noch deutlich im Vertrauensminus. Wie OGM weiter analysiert, erklärt sich der Zuwachs vor allem damit, dass Kickl die höchsten Vertrauenswerte aller Parteiobleute in der eigenen Wählerschaft erzielt.
Polarisierung als Markenzeichen
Wie oe24 auf Basis von Lazarsfeld-Erhebungen dokumentiert, genießt der FPÖ-Chef mit 27 Prozent zwar das größte Vertrauen aller Parteichefs – gleichzeitig misstrauen ihm mit 62 Prozent so viele wie keinem anderen Spitzenpolitiker. Wie nachrichten.at unter Berufung auf OGM-Daten berichtet, verzeichnete ÖVP-Klubobmann August Wöginger infolge der Postenschacher-Affäre den höchsten Verlust von 16 Vertrauenspunkten und rutscht damit ans Schlusslicht des Rankings.
Kanzlerfrage: Kickl enteilt der Konkurrenz
Wie oe24 auf Basis mehrerer Lazarsfeld-Erhebungen berichtet, kletterte Kickl in der fiktiven Kanzlerdirektfrage zuletzt auf bis zu 46 Prozent Zustimmung – damit erreicht er fast so viel wie alle anderen Parteichefs zusammen. Wie oe24 weiter festhält, folgt Bundeskanzler Christian Stocker weit abgeschlagen mit zwölf Prozent, während SPÖ-Chef Andreas Babler mit nur sieben Prozent sogar hinter NEOS-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Grünen-Chefin Leonore Gewessler rangiert, die jeweils acht Prozent erreichen.
Regierung ohne Rückenwind
Wie heute.at unter Berufung auf eine Unique-Research-Erhebung berichtet, sind lediglich 32 Prozent der Befragten mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden, während 65 Prozent weniger oder gar nicht zufrieden sind. Wie Apollo News unter Berufung auf die jüngste Lazarsfeld-Erhebung vom 9. bis 17. März 2026 berichtet, liegt die FPÖ in der Sonntagsfrage bei 37 Prozent – nahe an den historischen Rekordwerten der ÖVP unter Sebastian Kurz 2019 – während die ÖVP bei 20 Prozent verharrt.
Fazit: Protest trägt Kickl, nicht Vertrauen
Die Zahlen sind eindeutig: Kickl profitiert nicht als der Vertrauensmann der Nation – dafür sind seine Negativwerte zu hoch. Er profitiert als Projektionsfläche für all jene, die mit der amtierenden Regierung unzufrieden sind. Solange ÖVP, SPÖ und NEOS keine überzeugenden Antworten auf diesen Verdruss liefern, dürfte sich an dieser Konstellation wenig ändern.
Quellen:
- oe24.at / Lazarsfeld Gesellschaft
- OGM (ogm.at), Vertrauensindex Jänner 2026
- nachrichten.at
- heute.at / Unique Research
- Apollo News / Lazarsfeld Gesellschaft, März 2026
Credits: APA
Neueste Kommentare