Verbundchef Strugl warnt: Strompreise steigen um 30 Prozent – und ein neues Gesetz soll die Wende bringen

Verbundchef Strugl warnt: Strompreise steigen um 30 Prozent – und ein neues Gesetz soll die Wende bringen

Es war eine Aussage, die aufhorchen lässt: Verbund-Chef Michael Strugl hat am Donnerstagabend in der ZiB2 eine klare Warnung ausgesprochen. Er kündigte an, dass die Strompreise für das nächste Jahr bereits um fast 30 Prozent gestiegen seien – und eine Normalisierung sei erst dann zu erwarten, wenn der Iran-Konflikt beendet werde. Der Gaspreis treibe den Strompreis mit in die Höhe, solange Gas ein wesentlicher Faktor bei der Stromerzeugung bleibe.

Gas bestimmt den Strompreis – noch

Der Zusammenhang ist simpel, aber folgenreich: Weil Gas in den Wintermonaten maßgeblich zur Stromerzeugung beiträgt, schlägt jede Preisexplosion beim Gas direkt auf die Stromrechnung durch. Wie Strugl im ORF-Interview festhält, werde sich das erst dann ändern, wenn andere Technologien – konkret Wind- und Solarkraft – genug Strom erzeugen, um den Gasanteil zu verdrängen.

Pikant dabei: Noch Anfang des Jahres hatte derselbe Verbund-Chef eine Tarifentlastung verkündet. Wie energynewsmagazine.at berichtet, hatte Strugl im Jänner 2026 einen neuen Österreich-Tarif unter zehn Cent pro Kilowattstunde angekündigt – eine Preissenkung um rund ein Drittel. Dieser Schritt war auf damals gesunkene Beschaffungskosten zurückzuführen. Die Irankrise hat die Lage seither drastisch verändert.

Das neue Gesetz: Erneuerbaren-Pflicht für alle Bundesländer

Parallel zur Preiswarnung präsentierte die Regierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS das neue Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG). Wie oe24 berichtet, sieht das Gesetz verbindliche Ausbauziele für alle neun Bundesländer vor – auch für Salzburg, Tirol und Vorarlberg, wo bisher kein einziges Windrad steht. Gemeinden, die den Ausbau aktiv unterstützen, sollen finanziell belohnt werden. Bundesländer, die ihre Ziele verfehlen, drohen Förderkürzungen bis hin zu Milliardenstrafen. Für den Beschluss im Nationalrat ist eine Zweidrittelmehrheit nötig – die Grünen zeigten sich laut oe24 vom Entwurf noch nicht überzeugt und sehen „ordentlichen Nachbesserungsbedarf“.

Strugl begrüßte das Gesetz im ZiB2-Interview ausdrücklich. Wie der ORF berichtet, forderte er zugleich, dass der Ausbau schneller gehen müsse als im Gesetz vorgesehen: „Wir müssen mehr investieren, und das soll alles schneller gehen, sonst können wir unsere Ziele nicht erreichen.“

Ein Manko: Zu viel Solar, zu wenig Wind

Der Verbund-Chef übt aber auch Kritik am Entwurf. Das EABG sieht für Windkraft ein Ausbauziel von nur 7 Terawattstunden vor, während Photovoltaik – die vor allem im Sommer Strom liefert – um mehr als 10 Terawattstunden wachsen soll. Wie oe24 festhält, warnt Strugl, dass genau Windkraft im Winter entscheidend wäre, um den gaspreisgetriebenen Strompreisanstieg zu dämpfen. Die Gewichtung der Technologien im Gesetz spiegelt das aus seiner Sicht noch nicht ausreichend wider.

Krise als bitterer Lehrmeister

Strugl fand im ZiB2-Interview auch deutliche Worte zur generellen Energiepolitik: „Ich finde es dramatisch, dass wir immer eine Krise brauchen, um draufzukommen, dass das eigentlich wichtig ist.“ Die Botschaft dahinter ist klar: Der Ausbau erneuerbarer Energien war längst überfällig – der Krieg im Nahen Osten macht das nun schmerzhaft sichtbar.


Quellen:

  • oe24.at: Verbundchef Strugl kündigt an: Strompreis wird um 30 Prozent steigen, 26. März 2026
  • ORF (orf.at): Verbund-Chef Michael Strugl zu Gast in der ZiB2, 26. März 2026
  • energynewsmagazine.at: Verbund senkt ab März Strompreis für Haushalte, Jänner 2026

Credits: Büro LH-Stv. Strugl – Land OÖ / CC BY 3.0

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