Neue Daten: Fast jeder zweite Flüchtlingshaushalt braucht Sozialleistungen

Neue Daten: Fast jeder zweite Flüchtlingshaushalt braucht Sozialleistungen

Eine neue Auswertung von Statistik Austria im Auftrag des Integrationsministeriums liefert erstmals detaillierte Zahlen zur finanziellen Selbstständigkeit von Flüchtlingshaushalten in Österreich. Das Ergebnis: Fast die Hälfte kommt ohne staatliche Unterstützung nicht aus – mit deutlichen regionalen Unterschieden.

Was genau untersucht wurde

Analysiert wurde die sogenannte Selbsterhaltungsfähigkeit – also die Fähigkeit, den Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit, Pension, Arbeitslosen- oder Krankengeld ohne zusätzliche Sozialleistungen zu bestreiten. Grundlage der Untersuchung sind Haushalte mit mindestens einem anerkannten Flüchtling, subsidiär Schutzberechtigten oder Asylwerber aus den sechs häufigsten Herkunftsländern: Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Tschetschenien (als Teil der Russischen Föderation) sowie Somalia. Die ohnehin unabhängig vom Einkommen ausbezahlte Familienbeihilfe wurde bei der Berechnung nicht mitgerechnet.

Die zentralen Zahlen

Von österreichweit rund 103.000 erfassten Haushalten dieser Gruppe sind laut der Auswertung 47 Prozent nicht in der Lage, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten – sie beziehen also unter anderem Mindestsicherung. Damit kommt umgekehrt gut jeder zweite Haushalt ohne diese Leistungen aus. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied zwischen den Bundesländern: In Wien liegt die Quote der nicht selbsterhaltungsfähigen Haushalte bei 75 Prozent, nur rund jeder vierte Wiener Haushalt aus dieser Gruppe kommt also ohne Mindestsicherung aus.

Der Vergleich mit österreichischen Haushalten

Zur Einordnung liefert die Auswertung auch Vergleichswerte für Haushalte ohne zugewanderte Personen: In den Bundesländern liegt deren Selbsterhaltungsfähigkeit zwischen 90 und 93 Prozent, in Wien bei 86 Prozent – also ebenfalls niedriger als im Rest des Landes, aber deutlich höher als bei den untersuchten Flüchtlingshaushalten.

Die Position der Integrationsministerin

Für Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) liefert die Auswertung eine klare politische Botschaft. „Unser Sozialstaat soll Menschen dabei unterstützen, möglichst rasch auf eigenen Beinen zu stehen. Es darf niemals attraktiv sein, dauerhaft von Sozialleistungen zu leben“, erklärte die Ministerin. Wer seinen Beitrag zur Integration nicht leisten wolle, müsse künftig mit spürbaren Kürzungen bei staatlichen Unterstützungen rechnen. Arbeit sei der zentrale Schlüssel zur Integration – am Arbeitsplatz lerne man nicht nur Deutsch, sondern auch, wie das Leben in Österreich funktioniere und was von einem erwartet werde, so Bauer.

Ein möglicher Hinweis aus der Arbeitsmarktstatistik

Als weiteres Indiz führt die „Krone“ aktuelle AMS-Zahlen an: Nach der Streichung der Mindestsicherung für subsidiär Schutzberechtigte in Wien sei die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe demnach um mehr als ein Drittel gesunken. Das deutet darauf hin, dass zumindest ein Teil der Betroffenen trotz angespannter Wirtschaftslage grundsätzlich in der Lage ist, eine Beschäftigung zu finden, wenn der wirtschaftliche Anreiz dafür entsprechend gesetzt wird.

Einordnung

Wichtig zur Einordnung: Die Zahlen sagen nichts über die konkreten individuellen Gründe für fehlende Selbsterhaltungsfähigkeit aus – dazu zählen neben Integrationsdefiziten etwa auch Deutschkenntnisse, Anerkennung von Qualifikationen, Kinderbetreuungspflichten oder die allgemeine Arbeitsmarktlage. Auch fehlt in der Berichterstattung bislang eine Einordnung, wie sich die Werte im zeitlichen Verlauf seit der Ankunft der jeweiligen Personengruppen entwickeln – ob sich die Selbsterhaltungsfähigkeit etwa mit zunehmender Aufenthaltsdauer verbessert.

Credits: BKA/Regina Aigner

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